Sport : Vertikal zum Erfolg

In Bielefeld wird das Feld in Planquadrate eingeteilt

Mathias Klappenbach

Bundesliga-Trainer Uwe Rapolder erklärt seine Taktik Die meisten Tore aus dem Spiel heraus fallen im modernen Fußball nach wenigen, schnellen Pässen. Länger den Ball zu halten und zu versuchen, den Gegner auszuspielen, führt weitaus seltener zu einem Treffer. Das zeigen mehrere Untersuchungen, und wer in der Praxis nach Beispielen für diese schnelle Spielweise – bei der die Tore meist auch noch schöner herausgespielt sind – sucht, findet Arminia Bielefeld und Uwe Rapolder.

Konzeptfußball oder auch Vertikalspiel nennt der Trainer seine Grundorganisation, mit der er die Bielefelder, die vor der Saison als erster Absteiger gehandelt wurden, auf den sicheren elften Platz geführt hat. Diese Organisation verlangt großes taktisches Verständnis von jedem einzelnen Spieler – und auch viel Laufarbeit.

Das Spielfeld ist an Rapolders Taktiktafel in horizontale und vertikale Linien unterteilt. Forechecking und Pressing basieren auf einem genauen Plan. Der Gegner soll durch ständiges Attackieren und Verschieben aller Spieler in die Breite an die Außenlinie gedrängt werden, wo er dann weniger Platz zum Kombinieren hat und den Ball schneller verliert. Ist der Ball gewonnen, geht es schnell, oft mit Doppelpässen oder steil, nach vorne.

Platz für Stars, die sich auf ihre Stärken konzentrieren können, da die anderen für sie mitschuften, ist in diesem System nicht, weil sonst eine Lücke in der Besetzung der Planquadrate entstehen würde. Die Organisation des Kollektivs ist in Rapolders System wichtiger als die individuelle Stärke einzelner Spieler.

Ein erfolgreicher Torjäger wie Arminias Südafrikaner Delron Buckley, der bereits 15 Tore in dieser Saison erzielt hat, ist für Uwe Rapolder eher ein Ergebnis des Systems. Dieses ist im Prinzip kein neues, aber Rapolder hat es geschafft, dass seine Mannschaft diese anspruchsvolle Spielweise verinnerlicht hat – auch wenn einige Spieler wegen des Erfolgs inzwischen auf dem vertikalen Weg zum Star sind.

Uwe Rapolder

war früher unter anderem mal Zweitligaprofi in Berlin bei Tennis Borussia. Er trainiert Bielefeld seit dem 1. März 2004 und führte die Mannschaft in die Bundesliga.

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