Vertrackte Geschichte : Hertha kommt nicht los von Pantelic

Berlins Bundesligist braucht den serbischen Stürmer - zumal Andrej Woronin gegen Dortmund am Sonntag wohl ausfällt.

Stefan Hermanns
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Tragende Rolle. Simunic, Pantelic.Foto: ddp

Mangelnde Konsequenz ist wahrscheinlich das Letzte, was sich dem Stürmer Marko Pantelic nachsagen lässt. Seit ungefähr anderthalb Jahren betreibt der Serbe einen Interviewboykott, mit Journalisten redet er zumindest offiziell nicht, weder in guten noch in schlechten Zeiten. Streng genommen ist Pantelic seiner Linie auch am Donnerstagabend treu geblieben, als er nach dem 1:1 von Hertha BSC gegen Benfica Lissabon im Untergeschoss des Olympiastadions vor eine Fernsehkamera trat. Ein Interview ist ein Spiel von Frage und Antwort, Pantelic aber gab lediglich eine Art Regierungserklärung ab, und als der TV- Reporter nach dessen Kommuniqué nachhaken wollte, verschwand der Serbe wortlos. Die entscheidende Botschaft aber war auch so angekommen: Marko Pantelic fühlte sich ungerecht behandelt.

Zeigt Pantelic Einsicht?

Am vergangenen Samstag musste sich Pantelic das Spiel des Berliner Fußball- Bundesligisten gegen den VfB Stuttgart von der Tribüne aus ansehen, nachdem er es versäumt hatte, sich fristgemäß vom Training abzumelden. Mit der einmaligen Suspendierung war die Angelegenheit für Trainer Lucien Favre angeblich erledigt, trotzdem setzte er den Serben gegen Benfica zunächst auf die Bank. Beim Stand von 0:1 wurde er eingewechselt, fünf Minuten später sicherte Pantelic Hertha mit seinem Tor wenigstens einen Punkt und damit einen erträglichen Einstieg in die Gruppenphase des Uefa-Cups. „Das ist das, was man erwartet, wenn ein Spieler einen Fehler gemacht hat“, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Dass er Einsicht zeigt und sich aufs Wesentliche konzentriert.“

Einsicht? Aus Pantelics Monolog vor der Fernsehkamera klang eine Menge Unverständnis heraus. „Ich hatte einen Riesenstress, nur weil ich ein Training verpasst habe – nach dreieinhalb Jahren. Aber ich habe das akzeptiert. Bitte das nächste Mal ein bisschen mehr Unterstützung für Marko, nicht immer nur Marko schwarz und Marko weiß.“ Seine Suada schloss er mit einem Dank an Herthas Fans, „dass sie nicht vergessen haben, was Marko Pantelic in den letzten dreieinhalb Jahren gegeben hat“.

In der Endlosschleife

Die vertrackte Geschichte zwischen Pantelic und Hertha läuft seit langem schon in der Endlosschleife, inzwischen aber bekommt sie alle drei, vier Tage einen neuen Dreh. Nach Herthas Sieg gegen Stuttgart, dem ersten überhaupt ohne Pantelic, schien sich die Mannschaft endlich von ihrem besten Stürmer emanzipiert zu haben. Am Donnerstag dann zeigte sich, dass Hertha von Pantelic doch nicht so leicht loskommt.

„Er ist für mich der allerwichtigste Spieler bei uns“, sagte Josip Simunic, ein bekennender Freund des Serben. „Marko ist was Besonderes. Er macht viele Tore, er arbeitet für die Mannschaft, und er hat auf dem Platz die richtige Antwort gegeben. Großen Respekt für Marko.“ Die richtige Antwort? „Ich möchte nicht von Antwort sprechen“, sagte Trainer Favre. „Marko hat seine Leistung gebracht.“ Als wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, dass Pantelic ins Spiel kommt, den Ball an der Strafraumlinie annimmt, sich ohne erkennbaren Ansatz den nötigen Freiraum verschafft und den Ball mal eben so in den Torwinkel schießt. Aber genau das ist die Qualität des Marko Pantelic: dass Toreschießen für ihn eine Selbstverständlichkeit ist und mit ihm dank dieser Haltung Zug in Herthas Offensivspiel kommt.

Woronin zeigt, was Pantelic wert ist

Drei Minuten nach dem 1:1 wurde der Wert des Serben für Hertha noch einmal indirekt bestätigt. Am Fünfmeterraum nahm Andrej Woronin einen Flankenball mit der Brust an, mit derselben Bewegung ließ er den Uruguayer Urreta ins Leere laufen, Woronin stand frei vor dem Tor – und setzte den Ball volley ans Außennetz. Schon in der ersten Halbzeit war der Ukrainer freistehend an Benficas Torhüter Quim gescheitert. „Als Stürmer musst du zunächst mal Chancen herausspielen“, sagte Hoeneß über Woronin. „Das macht er hervorragend.“

Am Tag danach humpelte Woronin an Krücken über das Vereinsgelände. Der Verdacht auf Mittelfußbruch bestätigte sich zwar nicht. Trotzdem wird Woronin am Sonntag in Dortmund wohl ausfallen. Eine neue Chance für Marko Pantelic, sich unentbehrlich zu machen – und sich für eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages zu empfehlen. Ob er Pantelic über die Saison hinaus behalten wolle, wurde Favre am Freitag gefragt. Seine Antwort fiel ebenso knapp wie vielsagend aus: „Zu diesem Thema möchte ich nichts mehr sagen.“

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