Sport : Vertracktes Spiel mit dem Vertrag

Werder will Schaaf und Allofs langfristig binden – doch das letzte Wort hat der Aufsichtsrat

Frank Hellmann[Bremen]

Die Zukunft von Werder Bremen hängt nicht von diesem Spiel ab. Darauf hat man sich an der Weser geeinigt, seitdem die Möglichkeit vergeben ist, aus eigener Kraft das Überwintern in der Champions League sicherzustellen. Selbst mit einem Sieg gegen Panathinaikos Athen heute im Weserstadion (20.45 Uhr, live auf Premiere) hätte Werder zunächst nur den dritten Gruppenplatz sicher. Ins Achtelfinale kommen die Bremer nur, wenn gleichzeitig der bereits qualifizierte FC Barcelona in Udine gewinnt.

„Wir schauen nur auf uns“, sagt deshalb Trainer Thomas Schaaf. Und Manager Klaus Allofs pflichtet ihm bei. Der Gleichklang scheint dabei nicht einmal einstudiert. Kaum ein sportliches Führungsduo ist so eingespielt wie das von Werder Bremen. „Mittlerweile denken die beiden oft dasselbe“, glaubt Jürgen L. Born sogar, der Vorsitzende der Geschäftsführung.

Lieber heute als morgen möchten die Bremer Bosse die beiden langfristig binden. Schaaf, Vertragsende 2006, hat einen unterschriftsreifen Kontrakt von der Geschäftsführung längst vorliegen. „Wir werden bald weitere Gespräche führen“, kündigt Born an. Allofs, Vertragsende 2007, soll noch vor Ende dieser Saison vorzeitig verlängern. Doch da beginnen die Probleme: Im Fall Allofs kann die Geschäftsführung nur „heiße Empfehlungen“ (Born) aussprechen. Die Personalie des Geschäftsführers Profifußball liegt in Händen des Werder-Aufsichtsrates. Und dessen Chef und Allofs-Vorgänger Willi Lemke ist gerade mit dem Versuch abgeblitzt, selbst in die Geschäftsführung vorzudringen. Der bei der Wahl zum Bremer Bürgermeister gescheiterte Bildungssenator Lemke plant nun im Jahr 2007, entweder den für Finanzen zuständigen Born oder aber Manfred Müller (Geschäftsführer Marketing) abzulösen. Für Schaaf und Allofs wiederum wäre es ein Rückschritt, würde das Wort von Lemke wieder mehr Gewicht erhalten. Lemke gefiel sich als Frontkämpfer mit ausgeprägter Abneigung zum FC Bayern und zog aus dem Arm-Reich-Klischee seine Sympathie, während es Allofs geschafft hat, mit einem zurückhaltenderen Kurs den Klub bekannter und beliebter zu machen.

Schaaf und Allofs, im Beinahe-Abstiegsjahr 1999 auf den Posten als Cheftrainer und Sportdirektor gehievt, spielen in der Frage Vertragsverlängerung auf Zeit. „Wenn es dazu etwas zu sagen gibt, wird es der Verein verkünden“, sagt Schaaf. Weil er wissen will, was Allofs macht? Anders als beim Trainer ist eher vorstellbar, dass der gebürtige Düsseldorfer Allofs sich auch andernorts wohl fühlen und erfolgreich arbeiten würde. Nicht nur die Bayern-Oberen loben seine gute Hand bei entwicklungsfähigen Spielern oder seine eloquente Außendarstellung. „Noch habe ich kein schriftliches Vertragsangebot vorliegen“, sagt Allofs, „aber der Verein hat ja gesagt, das passiert in den nächsten vier Arbeitswochen und davon ist nur eine rum.“

Wirrungen bei Werder? Mit einem Weggang auch nur eines der beiden Verantwortlichen des Erfolges der jüngsten Jahre wäre das stabile Gebilde zum Einsturz gebracht. Denn erst dem gemeinsamen Wirken von Allofs und Schaaf ist zu verdanken, dass Werder nach Misserfolgen in der Zeit nach Otto Rehhagel nun sportlich wieder besser dasteht.

Allofs, der eine Aufstockung seines bisherigen Salärs (geschätzte 500 000 Euro) verlangt, ist in einer vortrefflichen Position. „Meine Entscheidung ist nicht von einem Spiel abhängig“, sagt er. Das Team sei übrigens absolut im Soll – und würde mit einem Weiterkommen in der Champions League auch die Position des Sportdirektors weiter stärken.

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