Sport : Vertrag mit Tücken

Van der Vaart denkt an den Abschied vom HSV

Karsten Doneck

Berlin - Sein Gesichtsausdruck bekommt manchmal etwas Lausbubenhaftes. Wenn ihm einer jener Kunstschüsse gelungen ist, bei denen gegnerische Torhüter ins Leere greifen, dann erscheint Rafael van der Vaart nach Spielschluss schon mal verschmitzt lächelnd in den Katakomben des Hamburger Stadions. Rafael van der Vaart spielt nicht nur Fußball – er genießt Fußball. Dass sein Klub, der Hamburger SV, in der vorigen Saison nach desaströser Hinrunde noch die Kurve kriegte, war nicht allein Folge des Trainerwechsels von Thomas Doll zu Huub Stevens, sondern hing ganz wesentlich auch mit einem beträchtlichen Formanstieg von van der Vaart zusammen. Umso mehr sind sie in Hamburg schockiert, dass der 24-jährige Holländer in unregelmäßigen Abständen öffentlich über seine Wechselabsichten schwadroniert.

„Ich möchte den Fans nicht erzählen: Egal, was passiert, ich bleibe beim HSV“, rechtfertigte sich van der Vaart im Trainingslager im österreichischen Längenfeld. „Wenn nämlich einer dieser ganz großen Klubs anfragen würde, müsste ich mir das zumindest anhören.“ Vor allem in Spanien gibt es nach van der Vaarts Ansicht diese großen Klubs: Real Madrid, FC Barcelona, FC Valencia – das ist van der Vaarts Kragenweite. Anfragen? Van der Vaart: „Die gab es bisher nicht.“ Mit dem HSV spielt van der Vaart heute (14 Uhr, live im NDR) erst einmal im UI-Cup gegen Dacia Chisinau. 1:1 endete das Hinspiel. Wer weiterkommt, steht in der ersten Qualifikationsrunde für den Uefa- Cup.

Van der Vaarts Vertrag mit dem HSV läuft bis 2010. Aber solche Arbeitsverträge haben manchmal ihre Tücken, manchmal auch zulasten des Arbeitgebers. Dem Hamburger SV bereitet vor allem ein Passus in van der Vaarts Vertrag Kopfschmerzen, der dem Spielmacher erlaubt, schon 2009 für den Spottpreis von 1,5 Millionen Euro Ablöse zu wechseln. Van der Vaarts aktueller Marktwert wird auf über 15 Millionen geschätzt. Der HSV hat für den holländischen Nationalspieler, als er 2005 von Ajax Amsterdam geholt wurde, 5,1 Millionen Euro bezahlt. Nun stecken die Hamburger im Dilemma: Wollen sie mit van der Vaart noch richtig Geld verdienen, müssen sie ihn im Sommer nächsten Jahres ziehen lassen. Nur: Das ginge sportlich gehörig an die Substanz.

Sportchef Dietmar Beiersdorfer und Vorstandschef Bernd Hoffmann haben sich mit van der Vaarts Berater, dem ehemaligen Bayern-Profi Sören Lerby, schon vor Wochen mal zusammengesetzt. Es ging um eine vorzeitige Vertragsverlängerung über 2010 hinaus, verbunden mit einer kräftigen Aufstockung des Gehalts. Lerby winkte nach Rücksprache mit seinem Klienten ab. Der HSV indes wird nachsetzen. „Wir werden noch mal einen Vorstoß unternehmen“, kündigt Beiersdorfer an. Und er weiß, warum. Van der Vaart sei „technisch eine Augenweide, ein echter Draufgänger, ein elementarer Bestandteil unserer Mannschaft“.

Schon seit langem buhlen andere Klubs um van der Vaart. Manchmal nehmen die Gerüchte aber auch kuriose Züge an. Eine regionale Zeitung meldete, Vertreter des FC Bayern hätten sich mit van der Vaart in Hannover zu Verhandlungen getroffen. Die angeblich Beteiligten lieferten postwendend wasserdichte Alibis. Van der Vaart erklärte danach gar: „Ich werde nie zum FC Bayern wechseln.“ Grund seiner Abneigung: Sören Lerby hatte ihn vor seinem Wechsel zum HSV auch Bayerns Manager Uli Hoeneß angeboten. Hoeneß soll gesagt haben, der sei nicht gut genug.

Van der Vaart selbst scheint selbst noch unschlüssig. „Vielleicht erfülle ich ja auch meinen Vertrag beim HSV“, sinniert er – und setzt dabei sein lausbubenhaftes Lächeln auf. Karsten Doneck

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