Sport : Vertrauen ins Leichtgewicht

Borussia Dortmund setzt heute gegen Piräus auf seinen wieder erstarkten Dribbelkünstler Shinji Kagawa

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Nimmt sich den Ball zur Brust. Shinji Kagawa zeigt auch nach seiner Verletzung bei Borussia Dortmund, zu welchen technischen Kunststücken er fähig ist. Foto: AFP
Nimmt sich den Ball zur Brust. Shinji Kagawa zeigt auch nach seiner Verletzung bei Borussia Dortmund, zu welchen technischen...Foto: AFP

Es gibt wohl kaum einen Spieler in der Bundesliga, der sich einer so intensiven medialen Begleitung erfreut wie Shinji Kagawa. Wann immer der junge Mann die Kabine verlässt, wird er von einer Gruppe von Landsleuten aufgehalten, die sich zu jedem seiner Spiele bei Borussia Dortmund einfindet. Das wird auch am heutigen Abend der Fall sein, wenn Dortmund im Champions-League-Heimspiel gegen Olympiakos Piräus (20.45 Uhr, live bei Sky) seine letzte Chance sucht, die Gruppenphase zu überstehen. Kagawa wird auch dieses Mal stehen bleiben und geduldig Auskunft geben.

Jene Unsitte vieler Profis, Reporter vor allem nach Niederlagen wortlos stehen zu lassen, ist Kagawa fremd. Dann wird der Mittelfeldrenner von Junpei Yamamori unterstützt, einem freundlichen älteren Herren, der notfalls ins Deutsche übersetzt. Die beiden bilden ein lustiges Pärchen. Kagawa ist nicht gerade bei einer Größe von 1,72 Metern nicht gerade ein Riese, sein treuer Begleiter, der sich meist schräg hinter dem Profi postiert, ist noch schmächtiger. Shinji Kagawa aber ist nur körperlich ein Leichtgewicht, in seiner Heimat wird er als Superstar gefeiert, seit er als Nobody in die Bundesliga kam und sich in die Herzen der Fans dribbelte.

Dabei kam dieser Spieler bei seiner Ankunft so schulbubenhaft daher, dass man ihn am liebsten in den Arm genommen hätte, um ihn vor all den knorrigen Manndeckern zu schützen. Doch Kagawa wusste sich sehr gut selbst zu helfen. Acht Treffer gelangen dem Mann in der Hinrunde der vergangenen Spielzeit, die japanischen Gazetten adelten ihn als „Rosicky Asiens“. Dabei war dieser Mann sehr viel wertvoller als der Tscheche. Wozu Kagawa im schwarz-gelben Dress gerade mal 17 Spiele benötigte, dafür brauchte der frühere Dortmunder Regisseur 75 Partien.

Kagawa, der Spaßfußballer, war für die Borussia ein außergewöhnliches Schnäppchen. Nicht mehr als 350 000 Euro mussten die Dortmunder an Cerezo Osaka überweisen. Mittlerweile wird der Marktwert auf das 40-fache taxiert. Allerdings lief es nicht immer so reibungslos wie im ersten halben Jahr, in dem Kagawa alles gelang. Der Rückschlag ereilte den Nationalspieler im Januar. Während der Winterpause zog sich der Japaner beim Asien-Cup im Halbfinale gegen Südkorea einen Mittelfußbruch zu. Er musste tatenlos zusehen, wie seine Mitstreiter die Meisterschaft holten. Als sich Kagawa im Sommer nach seiner Genesung zurückmeldete, staunten die Experten erneut über diesen Spieler. Der 22-Jährige schoss und dribbelte in der Vorbereitung, als habe es nie eine Verletzungspause gegeben. Ist dieser Fußballer ein Phänomen? 

Nicht ganz, nach starkem Beginn fiel der Rückkehrer in ein Leistungsloch. Sein Trainer Jürgen Klopp ließ sich davon nicht beirren und brachte den Japaner trotz schwacher Leistungen in seiner Anfangsformation. Seit einigen Wochen zeigt die Kurve wieder nach oben, auch wenn Kagawa am Samstag in Stuttgart den Siegtreffer auf dem Fuß hatte und aus zehn Metern vergab. Das wird Klopp nicht daran hindern, ihm heute Abend gegen Piräus wieder zu vertrauen. Weil er weiß, was er an ihm hat. „Es soll ja Deutsche geben, die denken, dass Japaner nur mit Fotoapparat in der Hand funktionieren“, sagt Klopp, „aber manche können eben auch eine Menge mit dem Fuß.“

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