• „Vertrauen zur Fifa ist eingeschränkt“Franz Beckenbauer übt Kritik am Weltverband

Sport : „Vertrauen zur Fifa ist eingeschränkt“Franz Beckenbauer übt Kritik am Weltverband

Berlin - Nach der umstrittenen Doppelvergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 hat Franz Beckenbauer den Weltverband Fifa heftig kritisiert. „Mein Vertrauen zur Fifa ist eingeschränkt“, sagte die deutsche Fußball-Legende der „Bild“-Zeitung. Beckenbauer, der als Mitglied der Fifa-Exekutive bei der Gastgeberwahl mitabstimmen durfte, stört sich vor allem am Umgang mit den Ländern, die beim Votum am 2. Dezember 2010 in Zürich keine Berücksichtigung fanden.

„Ich bin enttäuscht, wie die Fifa nach der Wahl mit dem Ergebnis umgegangen ist. Man hat sieben unterlegene Länder der Blamage preisgegeben. Besonders England und Australien“, sagte Beckenbauer. Die ambitionierten Engländer waren bereits in der ersten Wahlrunde mit nur zwei Stimmen ausgeschieden. Russland wurde zum Gastgeber der Weltmeisterschaft 2018 gewählt. Australien war sogar mit nur einer Stimme gescheitert. Ausrichter des WM 2022 ist Katar.

„Uns Exekutivmitgliedern wurde erklärt, dass weder wir selbst noch die Öffentlichkeit die genauen Stimmenzahlen erfahren. Uns wurde nach jedem Wahlgang nur verkündet, welches Land ausgeschieden ist“, erzählte Beckenbauer, „und dann höre ich ein paar Stunden später aus dem Radio, wer wie viele Stimmen erhalten hat.“ Beckenbauer hatte rund um die Wahl in Zürich nicht preisgeben wollen, welchen Ländern er seine Stimmen geben werde.

Die Fifa hat dieses Vorgehen inzwischen verteidigt. Die Entscheidung zur Bekanntgabe des genauen Abstimmungsergebnisses sei am Wahltag getroffen worden. Eine Veröffentlichung sei bei vorherigen WM-Vergaben üblich gewesen, teilte die Fifa am Dienstag mit. Detaillierter äußerte sich die Fifa zu den überraschenden Vorwürfen ihres scheidenden Top-Funktionärs nicht. Beckenbauers Amtszeit in der Exekutive läuft im Mai 2011 ab. Der 65-Jährige will sich künftig mehr um seine Familie kümmern und verzichtet auf einen zweiten Turnus in der Fußball-Weltregierung. Im März kommenden Jahres wird beim Kongress des Kontinentalverbandes Uefa sein Nachfolger gewählt. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), kandidiert für einen Sitz im höchsten Fifa-Gremium.

Die erstmalige Vergabe von zwei WM-Turnieren war durch Bestechungsvorwürfe überschattet worden. Die Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Amadu (Nigeria) waren vor der Entscheidung suspendiert worden, da sie bei fingierten Manipulationsversuchen durch Reporter der englischen Zeitung „The Times“ ihre Stimmen zum Verkauf angeboten hatten. dpa/Tsp

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