Verweigerte Doping-Kontrolle : Gegentreffer für die DEL

Der Fall Florian Busch ist mit dem Finale nicht vorbei. Das Tor mag für den Schützen wie eine Befreiung gewesen sein - für andere dagegen birgt der Treffer ein unverhofftes Problem: ausgerechnet Busch schießt das wichtigste Tor der Saison.

Claus Vetter

Berlin - Wer schon mal Eishockey gespielt oder auch nur eine Umkleidekabine dieser materialintensiven Sportart betreten hat, der weiß: Eishockeyspieler riechen. Und zwar gewaltig im Normalfall. Florian Busch allerdings stank gar nicht. Das war vielleicht die größte Überraschung der Partynacht der Eisbären. Dabei tanzte Busch – abgesehen von den Schlittschuhen und Handschuhen – noch in voller Eishockeymontur durch einen Klub am Hackeschen Markt. Angezogen hatte er die Ausrüstung viele Stunden zuvor für das Finale am Sonntagnachmittag in der Kölnarena – seinem Spiel. In der achten Minute der Verlängerung bescherte der 23 Jahre alte Stürmer mit seinem Tor zum 2:1 den Eisbären die Meisterschaft – Florian Busch, der durch eine verweigerte Dopingkontrolle auch außerhalb seiner Sportart bekannt geworden ist.

Das Tor mag für den Schützen wie eine Befreiung gewesen sein – „nach all dem, was ich hinter mir habe“, wie Busch sagt. Für andere dagegen birgt der Treffer ein unverhofftes Problem: ausgerechnet Busch schießt das wichtigste Tor der Saison. Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga, wollte das nicht überbewertet sehen. Natürlich nicht. Wer an diesem Tage etwas über Busch und Doping schreibe, der solle bitte schön nicht mehr übers Eishockey berichten, ließ er wissen. Dass aber weiter über Busch berichtet wird, liegt vor allem am Deutschen Eishockey-Bund (DEB). Der hatte Busch nach zunächst verweigerter Dopingkontrolle jenseits des Codes der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada nur mit einer Geldstrafe belegt. Nach Nada-Code hätte der Nationalspieler gesperrt werden müssen. Die ausgebliebene Sperre ist aus Sicht des Bundesverwaltungsamtes (BVA) ein Verstoß gegen die Förderrichtlinien.

DEB-Vizepräsident Uwe Harnos, der die Affäre bisher mit vielen flotten Sprüchen begleitet hat, von übertriebenem „Ballyhoo“ und keiner „Pillepallestrafe“ für Busch sprach, rechnet nun mit einem Streit vor dem Sportgerichtshof Cas. Die Nada will einen entsprechenden Antrag bei der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada einreichen. Und: Die Saison ist für Busch noch nicht beendet, Bundestrainer Uwe Krupp will den Stürmer im Mai mit zur Weltmeisterschaft nach Kanada nehmen.

Die Geschichte um Busch geht also weiter. Längst ist ihr Hauptdarsteller zum Nebendarsteller geworden. Florian Busch, Frohnatur aus Bayern, vielleicht sogar erster Mensch überhaupt, der in voller Eishockeymontur ein Flugzeug bestiegen hat. Dieser Busch scheint nicht mehr zu begreifen, was da um ihn herum abgeht. Es ist dem Spaßvogel der Eisbären abzunehmen, wenn er seine verweigerte Kontrolle als „Riesendummheit“ klassifiziert. Es nützt aber erst einmal wenig, die Ampel ist bei Rot überfahren. Die Eisbären wollen nun aus dem Fall Busch lernen, deutet Detlef Kornett, Europachef des Eigners Anschutz, an. „Wir werden den Fall in der Nachsaison weiter verfolgen“, sagt Kornett, „damit junge, unerfahrene Leute künftig besser vorbereitet sind.“

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