Sport : Verzichten lernen

Beim Sieg in Moskau übt Hertha BSC schon einmal erfolgreich für die Zeit ohne Marcelinho

Friedhard Teuffel

Berlin - Mit einem Sieg hat Hertha BSC gleich zwei Qualifikationen auf einmal geschafft. Die erste ist die für die Vorausscheidung des Uefa-Pokals. Denn nach dem 2:0 bei FK Moskau spielen die Berliner nicht mehr im UI-Cup, sie stehen jetzt in der zweiten Qualifikationsrunde des Uefa-Pokals. Die andere ist die für die für die Spielzeit ohne Marcelinho.

In den vergangenen Jahren schien Marcelinho so unersetzbar für Hertha BSC, als sei sein Mitwirken in der Vereinssatzung festgeschrieben. Am Samstag in Moskau hat Hertha jedoch gar nicht viel gebraucht, um von Marcelinho loszukommen. Es reichten im Grunde ein gut aufgelegter Yildiray Bastürk als Spielmacher sowie einige motivierte Jungprofis.

Die Möglichkeit zur Einwechslung von Marcelinho hatte sich Trainer Falko Götz noch offen halten wollen und den Brasilianer auf die Bank gesetzt. Im Verlauf des Spiels wechselte er auch drei Spieler ein – Marcelinho zählte nicht dazu. „Ich habe mit meinen Einwechslungen auf die Ergebnissituation reagiert“, sagte Götz. Außerdem habe ein junger Spieler mehr von einer Einwechslung in einem internationalen Spiel als ein erfahrener wie Marcelinho. „Ich hätte ihm keinen großen Gefallen getan, wenn ich ihn für zwei Minuten gebracht hätte“, sagte Götz.

Eine Einwechslung Marcelinhos wäre allerdings ein letztes Zeichen gewesen, dass der Brasilianer doch noch zur Mannschaft gehört und eine kleine Chance auf einen Verbleib in Berlin hat. Nach seinen Eskapaden und der mehrtägigen Verspätung beim Trainingsauftakt läuft Marcelinhos Zeit in Berlin jedoch allmählich ab. Derzeit wirkt er nur wie ein trauriger Reisebegleiter der Berliner, auch wenn Götz sagt: „So lange er unter Vertrag ist, wird er seine reelle Chance bekommen.“

Der Trainer wollte sich auch nicht zu den Aussage verleiten lassen, dass er in Moskau bewusst auf Marcelinho verzichtet habe. Aber immerhin sagte er, wenn es um den Nachweis gegangen sei, dass Hertha auch ohne Marcelinho auskomme, dann hat die Mannschaft „ein Stück weit gezeigt, dass es so ist“.

Marcelinhos Anwesenheit auf der Bank wirkte auf die anderen jedenfalls nicht wie ein Suchtmittel, dessen Versuchung sie irgendwann erliegen könnten. Der Aufbau klappte, und es beteiligten sich daran auch Spieler, die Hertha noch aus der Zeit vor Marcelinho kennen, Andreas Schmidt etwa. Der 32-Jährige hatte zuletzt das Regionalligateam verstärkt, „als Herbergsvater für die Jungen “, wie Götz formulierte. In der Bundesliga kam er in der vergangenen Runde nur noch einmal zum Einsatz. Am Samstag gab Schmidt jedoch auch der ersten Mannschaft wieder Stabilität. „Wenn wir vier junge Spieler von unten hochziehen, dann nehmen wir den Herbergsvater eben gleich mit“, sagte Götz.

Ein gutes Zusammenspiel zwischen erfahrenen und jungen Spielern könnte weiter helfen, über Marcelinho hinwegzukommen. Der Brasilianer gehörte auch am Sonntag nicht richtig dazu. Während sich die anderen gemeinsam ausliefen, spielte Marcelinho mit den in Moskau nicht Eingesetzten und Neuankömmling Gilberto ein bisschen Ball.

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