Sport : Verzweiflung vor Toresschluss

Robert Ide

Hertha BSC wollte aus dem Nachwuchsstürmer Nando Rafael einen großen Fußballer machen. Das hat nicht geklappt, weil es den Angreifer nach Mönchengladbach zog. Dann wollte Hertha BSC als Ersatz den brasilianischen Stürmer Christian verpflichten. Das hat auch nicht geklappt, weil der gar nicht in Berlin spielen darf. Nun hat der Fußball-Bundesligist wenige Stunden vor Transferschluss seinen Stürmer Nando Rafael, 22, gegen Mönchengladbachs Angreifer Vaclav Sverkos, 22, getauscht. So sieht Verzweiflung aus.

Herthas Transferpolitik hat mit diesem Chaos einen neuen Tiefpunkt erreicht. Denn die Verpflichtung von Christian war schlecht vorbereitet. Erst einen Tag vor Toresschluss hat der Verein festgestellt, dass er seinen Ersatzstürmer gar nicht einsetzen darf, weil der in dieser Saison schon bei zwei Klubs gespielt hat. Nachdem Herthas Manager Dieter Hoeneß die internationalen Wechselregeln studiert hatte, musste der extra aus Sao Paulo eingeflogene Christian am Dienstag wieder heimkehren.

Vielleicht wird sich diese Panne noch als unverhofftes Glück herausstellen. Denn Sverkos ist talentiert – und motiviert, in Berlin neu anzufangen. Zudem hat sich Hertha gerade bei der Spielersuche in Brasilien in den vergangenen Jahren einige Verfehlungen erlaubt. Der Lebenswandel von Alex Alves wurde unterschätzt, das Können von Luizao überschätzt. Und Marcelinho lässt sich auch im fünften Jahr in Berlin nicht ausreichend in die Mannschaft integrieren. Hertha BSC hat eine Menge Geld ausgegeben und sich viel Ärger eingehandelt. Das ist auch die Ernte für globalen Aktionismus ohne ausreichende lokale Begleitung.

Ein neues Brasilien-Abenteuer ist dem Verein diesmal erspart geblieben. Allerdings ist das eher einer Panne geschuldet als einem Plan. Und der Preis ist eine Peinlichkeit: Die ganze Bundesliga hat gesehen, wie verzweifelt Hertha BSC nach Stürmern sucht.

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