Sport : Vettel fährt vor

Der 19-Jährige hängt beim Debüt in der Formel 1 nicht nur sein Idol Schumacher ab

Karin Sturm[Istanbul]

Bevor Sebastian Vettel zum ersten Mal in seinen Dienstwagen stieg, erfasste ihn doch ein wenig Sorge. „Ich hoffe, dass ich nicht zu langsam sein werde“, sagte der 19-Jährige. „Auf meiner Playstation hatte ich jedenfalls fünf Sekunden Rückstand auf die Zeiten vom letzten Jahr hier.“ Die Selbstzweifel des Formel-1-Neulings erwiesen sich als völlig unbegründet. Als der Testfahrer nach seinem ersten Arbeitstag an einem Grand-Prix-Wochenende aus dem BMW-Sauber stieg, klatschte er jubelnd mit seinem Teamchef Mario Theissen ab: Er hatte sein Programm auf der Strecke in Istanbul nicht nur fehlerlos absolviert, sondern war auch noch Tagesbestzeit gefahren. „Das Ergebnis hat mich selbst überrascht, aber es ist natürlich super für mich“, sagte der Heppenheimer, der als das größte Talent im deutschen Motorsport gilt. „Es war nicht ganz leicht, weil ich ja den Kurs nicht kannte, aber es war toll.“

„Komisch“ hatte sich Vettel dagegen einmal kurz am Freitagvormittag gefühlt. In den letzten Minuten des ersten Trainings in Istanbul war der jüngste deutsche Vertreter in der Formel 1 zum ersten Mal seinem Idol auf der Strecke begegnet, dessen Poster noch bis vor kurzem in seinem Zimmer gehangen hatte. „Vor zehn Jahren hat er noch die Zielflagge geschwenkt, als ich in Kerpen Kart gefahren bin“, berichtete Vettel vom ersten Aufeinandertreffen mit dem Rekordweltmeister Michael Schumacher, „und jetzt kann ich mich direkt mit ihm messen. Es ist fantastisch, hier zu sein. Ein Traum ist wahr geworden.“

Dabei hatte der schmale Blondschopf durchaus genügend Zeit gehabt, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Spätestens als BMW-Sauber vor drei Wochen den früheren Weltmeister Jacques Villeneuve absägte und den bisherigen Testpiloten Robert Kubica zum Rennfahrer beförderte, wusste Vettel, dass der Sprung vom Formel-3-Piloten zum ersten Formel-1-Einsatz im Rahmen eines Rennwochenendes für ihn viel schneller kommen könnte als ursprünglich gedacht. Doch trotz der angemessenen Vorbereitungszeit wuchs die Nervosität. „Ich denke schon, dass ich in der Nacht gut schlafen werde“, hatte er noch am Donnerstag gesagt. Das klappte auch ganz gut, „aber dann, direkt vorm Einsteigen, war ich schon ziemlich kribbelig und nervös“. Nach einer ersten Eingewöhnungsrunde „ging es aber eigentlich ganz gut“ – abgesehen von einer Strafe für die Geschwindigkeitsübertretung in der Boxengasse. „Das wird teuer“, sagte Vettel grinsend.

Auch sonst war der Neuling ohne Erfahrung und Streckenkenntnis verblüffend schnell unterwegs. Außerdem überzeugte Vettel, der erst im Sommer sein Abitur gemacht hatte, durch Konstanz und mit einer bis auf einen ganz kleinen Ausrutscher fehlerfreien Vorstellung. „Seine Leistung war tadellos“, lobte Teamchef Theissen. „Die Bestzeit stand gar nicht auf dem Programm, aber es rundet die starke Vorstellung von Sebastian ab.“

Der einstige Held fand ebenfalls wohlwollende Worte für Vettel. „Ich bin heute auf der Strecke hinter ihm gewesen und muss sagen, dass er einen sehr guten Job gemacht hat“, sagte Michael Schumacher und riet, die Scheu vor großen Namen schnellstmöglich abzulegen. „Hierarchien in der Formel 1 sind dazu da, verändert zu werden.“ Am Freitag hat Sebastian Vettel schon einmal vorsichtig damit angefangen.

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