Sport : Vettel im Überholverbot

Der Formel-1-Pilot kommt in Singapur nicht an Alonso vorbei, wahrt aber als Zweiter seine WM-Chance

Karin Sturm[Singapur]
Foto: dpa

Feuer und Rauch begleiteten das Finale. Als Fernando Alonso im Nachtrennen mit zwei Zehntelsekunden Vorsprung vor Sebastian Vettel über die Ziellinie von Singapur fuhr, fackelte gerade der Lotus von Heikki Kovalainen ab. Es war die letzte Szene eines dramatischen Rennens, das der deutsche Red-Bull-Pilot hätte gewinnen können. „Wir kriegen sie noch, macht euch keine Sorgen!“, rief er nach der Zieldurchfahrt in den Boxenfunk, und es klang so, als spreche er sich im WM-Endkampf vor allem selbst Mut zu. Vier Rennen vor Saisonende hat Vettel den Rückstand auf seinen Teamkollegen Mark Webber, der am Sonntag Dritter wurde, nur um drei Punkte verkürzen können. Vettel hat mit 181 Punkten als neuer Vierter nun 21 Punkte weniger als der WM-Führende Webber (202). Zweiter ist Alonso (191), dahinter liegt der McLaren-Pilot Lewis Hamilton (182), der in Singapur nach einer Kollision mit Webber ausschied. „In der Meisterschaft ist noch alles offen“, verkündete Vettel.

Der Heppenheimer hätte unter dem Flutlicht von Singapur durchaus mehr Punkte gutmachen können. Am Samstag aber hatte er die Poleposition wegen eigener Fahrfehler um ein paar Tausendstel verpasst, und das konnte er im Rennen nicht mehr aufholen. Alonso gewann den Start und blieb auch beim gleichzeitigen Boxenstopp der beiden vorn. Webber nutzte eine frühe Safetycar-Phase für einen zeitigen Stopp und schob sich so vom fünften auf den dritten Rang nach vorn.

So blieb es bis ins Ziel, auch wenn Vettel bis zur letzten Sekunde Druck machte. An dem Ferrari war aber einfach nicht vorbeizukommen. „Wir wollten hier den Sieg von Monza bestätigen, das haben wir geschafft“, sagte Alonso. „Ich wusste, wie schwer es ist, hier zu überholen, deshalb habe ich mich nur darauf konzentriert, den Abstand zu Sebastian zu kontrollieren.“ Vettel verkündete später, dass „ein Sieg hier vom Speed her definitiv möglich war, aber es ging halt nicht. Ich habe versucht, Fernando in einen Fehler zu hetzen, aber er hat nur ein paar kleine gehabt, die nicht gereicht haben.“ Während der Überrundungen am Ende hätte er es noch einmal versuchen können, „aber da war es schlauer, zurückzustecken“.

Einige andere Piloten waren nicht so clever. In der 32. Runde bohrte Kamui Kobayashi seinen Sauber in die Mauer, nachdem er sich zuvor im Duell mit Michael Schumacher den Flügel beschädigt hatte. Bruno Senna im HRT sah den stehenden Sauber zu spät und rutschte ihm ins Heck.

Drei Runden dauerte es, bis die beiden Autos von der Strecke geräumt waren. Direkt nach dem Neustart versuchte Hamilton eine Attacke auf den drittplatzierten Mark Webber. Hamilton war schon eine halbe Länge vorn, da schob der WM-Leader ihn ins Aus. Die Rennkommissare leiteten eine Untersuchung ein, verzichteten dann aber auf eine Strafe, sodass der Australier seinen dritten Platz behielt. „Das war ein Rennunfall“, sagte Webber. „Lewis musste es da versuchen, weil ich durch Überrundete in Schwierigkeiten war, aber am Ende war zu wenig Platz. Wir hätten auch beide draußen sein können, ich habe Glück gehabt.“ So behielt der Australier die WM-Führung, während Hamilton wütend und mit finsterer Miene durch die Singapurer Nacht stapfte.

Eine Runde später gerieten Mercedes-Pilot Michael Schumacher und Nick Heidfeld im zweiten Sauber in derselben Kurve aneinander. Schumacher konnte nach einem Stopp weiterfahren, Heidfeld, der bei seinem Comebackrennen von Anfang an wenig Glück gehabt hatte, war draußen. Auch hier ergab die eingeleitete Untersuchung der Rennkommissare wie in der Causa Hamilton/Webber keine Strafen. „Ich würde es als Rennunfall sehen“, meinte Schumacher, „ich bin hinter Nick gewesen, er zieht in letzter Sekunde rüber. Ich bin halb daneben, aber er war wohl der Meinung, er müsste mir keinen Platz geben. Wenn er mir ein bisschen Platz gelassen hatte, wären wir beide durchgekommen.“ Heidfeld sah das ein wenig anders: „Das war eindeutig Michaels Fehler, aber so etwas passiert halt.“

Schumacher wurde am Ende als 13. gewertet, sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg holte dagegen als Fünfter erneut wertvolle Punkte. Adrian Sutil im Force India und Williams-Pilot Nico Hülkenberg wurden wegen Abkürzens nachträglich bestraft und landeten auf den Rängen neun und zehn. Virgin-Fahrer Timo Glock sah dagegen wegen eines Defekts keine Zielflagge.

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