Sport : Vettel macht den Weg frei

Button profitiert vom Ausfall des Deutschen und gewinnt den turbulenten Großen Preis von Australien

Karin Sturm[Melbourne]
Durch die Wiese. Schon in der ersten Kurve krachte es: Jenson Button (links) initiierte den Crash, bei dem sich Michael Schumacher (vorn) die Nase krumm fuhr. Foto: dpa
Durch die Wiese. Schon in der ersten Kurve krachte es: Jenson Button (links) initiierte den Crash, bei dem sich Michael Schumacher...Foto: dpa

Kaum fallen ein paar Tropfen, schon wird die Formel 1 zum Spektakel. Nachdem sich die Szene nach dem Saisonauftakt in Bahrain noch über die ausufernde Langeweile beklagt hatte, konnte davon am Sonntag in Melbourne keine Rede sein. Im Albert Park brachte ein kurzer Schauer zum Start jede Menge Action und wirbelte das ganze Feld durcheinander. Am Ende eines ereignisreichen Großen Preises von Australien standen Weltmeister Jenson Button, Renault-Pilot Robert Kubica und Ferrari-Fahrer Felipe Massa auf dem Podium – die Wettgewinne für diesen Ausgang dürften erheblich gewesen sein.

Die Deutschen hatten in dieser Verlosung wenig Glück, vor allem Sebastian Vettel erwischte es ganz bitter. Der Red-Bull- Pilot lag bis kurz vor Rennhalbzeit deutlich in Führung, als ihn erneut ein Defekt – diesmal ein schlecht montiertes Vorderrad – um den Sieg brachte (siehe nebenstehender Text). „Das ist Scheiße. Im Moment möchte ich am liebsten nach Hause fliegen“, klagte der 22-Jährige. Auch Williams-Fahrer Nico Hülkenberg (Unfall), Force-India-Pilot Adrian Sutil (Elektronik) und Timo Glock im Virgin (Aufhängungsbruch) sahen die Zielflagge nicht. Das war von den deutschen Piloten nur dem Mercedes-Duo vergönnt: Nico Rosberg wurde Fünfter, sein Teamkollege Michael Schumacher Zehnter. Mit Platz vier verteidigte Fernando Alonso im Ferrari die WM-Führung.

Schon die erste Runde auf dem nassen Kurs verlief spektakulär. Der Sauber von Kamui Kobayashi verlor einen Frontflügel, touchierte die Mauer und torpedierte dann Sebastien Buemi im Toro Rosso und Nico Hülkenberg im Williams, so dass das Safetycar ausrücken musste. Es war ein kleines Wunder, dass dabei niemand verletzt wurde. Kurz zuvor waren drei Weltmeister in der ersten Kurve aneinandergeraten. Der aktuelle (Button) touchierte den zweimaligen Titelträger (Alonso), der sich drehte und dabei den Rekordchampion (Schumacher) erwischte, der seinen Mercedes daraufhin mit defektem Frontflügel an die Box steuern musste. „Damit war mein Rennen praktisch gelaufen“, sagte Schumacher. Ohne diesen Zwischenfall, glaubte er, „wäre ich wahrscheinlich aufs Podium gefahren. Unsere Rundenzeiten sind noch nicht da, wo Red Bull ist, aber wir können uns sehen lassen.“ Obwohl der 41-Jährige das teaminterne Duell gegen Rosberg daher abermals verlor, stellte er sich „alles in allem ein positives Zeugnis“ aus. Allerdings kam er zweimal ewig nicht am Toro Rosso von Jaime Alguersuari vorbei. „Man muss über eine Sekunde schneller sein, um zu überholen“, verteidigte sich Schumacher. „Wir waren schneller, aber nicht so schnell, dass man überholen konnte.“ Dennoch sei der Mercedes schon flotter als zuletzt, und beim nächsten Rennen am Wochenende in Malaysia erhofft sich Schumacher „vielleicht ein paar Punkte mehr“.

Dass er in Melbourne überhaupt noch einen holte, hatte er Red-Bull-Fahrer Mark Webber zu verdanken, der kurz vor Schluss mit Lewis Hamilton im McLaren kollidierte. Hamilton war nachher sichtlich angefressen, weil er zum Zeitpunkt des Unfalls eigentlich viel weiter vorne hätte fahren müssen. Doch er wurde von seinem Team zu einem zweiten Stopp an die Box beordert und verlor deshalb nicht nur seinen dritten Platz, sondern auch seine Zurückhaltung und kritisierte unverhohlen das Team: „Das war eine schreckliche Entscheidung. Wir hätten einen Doppelsieg holen können.“

Deutlich glücklicher mit seiner Entscheidung war sein Stallgefährte. Als die Strecke nach der Safetycar-Phase allmählich abzutrocknen begann, ging Jenson Button als Erster das Risiko ein, auf Trockenreifen zu wechseln: „Ich habe selbst der Box gesagt, dass ich das möchte.“ Zwar rutschte der Brite damit einmal kurz in die Wiese, fuhr in der Folge aber sicher und brachte den Sieg nach Vettels Ritt ins Kiesbett souverän nach Hause. Dabei spielte er seine Stärke aus und brauchte mit seinem sehr sanften Fahrstil nur einen Satz weicher Trockenreifen. So blieben ihm am Ende ein „irrsinniges Gefühl“ und die schönsten Tropfen des Tages: die aus der Schampusflasche für den Sieger.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben