VfB Stuttgart : Alle für einen: Markus Babbel

Beim 2:0 im Champions-League-Spiel bei den Glasgow Rangers siegen die zuletzt so enttäuschenden Stuttgarter für ihren Trainer Markus Babbel.

Raphael Honigstein[Glasgow]

Schlechte Vorzeichen sind auch nicht mehr, was sie mal waren. Dunkelheit flutete die Lobby des Stuttgarter Mannschaftshotels, als der Bus zum Ibrox-Stadion losfuhr, an der Clyde entlang, vorbei an stillgelegten Werften und an Pfützen, in denen sich gleich mehrere schottische Monster Jahre lang ungestört verstecken könnten. Cats and dogs regnete es vom Himmel, aus Kübeln.

Die äußeren Umstände deuteten ganz und gar auf einen düsteren Abend für den VfB Stuttgart hin. Auf das in der Champions League und die Demission von Trainer Markus Babbel. Es kam anders. Nach dem 2:0-Sieg im Ibrox-Park steht der VfB auf einmal glänzend da, weil zum einen die kreuzbraven Glasgow Rangers überfordert waren und Babbel zum anderen wohl den richtigen Ton getroffen hatte. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich keine Zweifel an meiner Arbeit und ihren Fähigkeiten habe“, sagte der Trainer, „ich war mir relativ sicher, dass wir zusammen ein gutes Ergebnis erzielen würden.“

Trainer müssen neben taktischem Verständnis und Menschenführung einiges an Schauspieltalent mitbringen, in dieser Hinsicht hat der ehemalige Münchner offensichtlich dazu gelernt. Sehr überzeugend legte er nach dem Schlusspfiff dar, keinen besonderen Druck verspürt zu haben, mit business as usual hatte er die ultimative Bedeutung der Partie auch gegenüber seiner Elf erfolgreich überspielt.

Horst Heldt, der mit seinen gefühlsneutralen Äußerungen zuvor bewusst Distanz zu Babbel aufgebaut hatte, durfte das Messer in der Tasche lassen. „Ich freue mich riesig über den Sieg, die Spieler haben heute endlich gezeigt, wozu sie in der Lage sind“, sagte der Sportdirektor, sah dabei aber eher erschöpft als erleichtert aus. „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen“, mahnte er; wo der VfB demnächst hinkommt, mochte er nicht voraussagen. An das Endspiel um den Einzug ins Achtelfinale, gegen den Gegner mit dem „unaussprechlichen Namen“ (Heldt) Unirea Urziceni, dachte er dabei nicht. „Ich hoffe, das wir das Selbstvertrauen mit in die Bundesliga nehmen, dort würde ich mir auch mehr Punkte wünschen.“

Mit ein bisschen mehr Sorgfalt vor dem gegnerischen Tor hätte das Erfolgserlebnis noch emphatischer ausfällen können. Wie der weiter glücklose Stürmer Pawel Pogrebnjak auf dem Platz ließ hinterher auch Heldt auffällig beste Gelegenheiten aus. Er wollte Babbel nicht persönlich für den ersten Sieg nach zehn Pflichtspielen loben: „In erster Linie freut es mich für den Verein und für unsere 2000 mitgereisten Fans, die uns hier so toll unterstützt haben.“ Die Rangers waren am Dienstag sicher zu schwach, um die große Wende auszurufen, aber es war mehr als kalter Realismus, der aus Heldt Sätzen sprach. Anscheinend will er Babbel angesichts der katastrophalen Bilanz in der Bundesliga nicht zu früh die Absolution erteilen.

Eine derart ambivalente Haltung des Vorstands wirkt meist zersetzend, doch in der Druck-Kabine des VfB scheinen Pilot und Besatzung in den vergangenen Wochen näher zusammen gerückt zu sein. „Der Trainer hat jeden Tag eine super positive Ausstrahlung, ich hoffe dass diese Diskussion endlich aufhört“, sagte Torschütze Zdravko Kuzmanovic, er war neben dem jungen Sebastian Rudy der beste Schwabe. „Wenn wir alle tot oder unmotiviert wären, hätten wir sicher nicht so ein Spiel abliefern können.“ Falls die Stuttgarter bis zur Winterpause tatsächlich ihr beachtliches Potenzial abrufen, wird man Heldt gratulieren müssen. Sein Plan, den Trainer zu stärken, in dem er ihn weiter in Frage stellt, er könnte aufgehen.

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