Sport : VfB Stuttgart: Balakow-Strafe trifft Rangnick

Martin Hägele

Leider ist aus dem VIP-Zelt des VfB Stuttgart nicht überliefert, wie der prominenteste Gast wohl reagiert hätte, wenn in seinem Unternehmen der Vorstandsvorsitzende vom höchstbezahlten Vorstandsmitglied öffentlich so desavouiert worden wäre, wie dies Trainer Ralf Rangnick mit dem ehemaligen Weltklassespieler Krassimir Balakow passiert ist. Man hat gehört, wie knallhart Jürgen Schrempp kurz zuvor den amerikanischen Statthalter in der Chrysler-Daimler-Zentrale abserviert hat, bei Rostbraten und einem Viertel Rotwein einfach rausgeworfen. Der Mann, um den sich der Stern dreht, war allerdings nur zu Besuch auf dem Wasen. Es ist dabei auch nicht zu einem Sanierungsprojekt für den mit rund 30 Millionen Mark verschuldeten Schwaben-Klub gekommen; nicht mal zu einem Nachhilfeseminar für die VfB-Führungskräfte. Wobei die Nachbarn vom Roten Haus solch eine Strategie momentan noch dringender bräuchten als eine Finanzspritze.

Viele Stunden lang haben sie in der Vereinsführung die Krise weiterdiskutiert. Dann wurde den Journalisten mitgeteilt, dass es interne Konsequenzen gegen Balakow gegeben habe. Es kann sich dabei nur um eine Geldstrafe handeln. Die lässt sich der Bulgare lächelnd vom Gehalt abziehen. Verdient er halt mal ein paar tausend Mark weniger als die halbe Million Mark, die ihm sonst jeden Monat überwiesen wird.

Auch die neue Klub-Führung merkt nicht, welch verheerende Gefahr von der Diva ausgeht. Mit seinem Gehalt und Gehabe reitet der eigenwillige Star den Klub immer weiter hinein in diese Spirale Richtung Zweite Liga. Balakow durfte einem Reporter einen Kopfstoß verpassen; er durfte bei Trainer Schäfer während der Mannschaftssitzung aufstehen und rausgehen; er konnte mit dem Kollegen Gainea Streit bekommen und darauf minutenlang ein Bundesligaspiel boykottieren; er durfte bei Meinungsverschiedenheiten mit den Trainern einfach seinen Mentor Präsident Mayer-Vorfelder als Oberschiedsrichter in den Ring rufen. Und diese Liste aus den vergangenen zweieinhalb Jahren erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Balakow hat so die letzte Autorität des Cheftrainers demontiert. Einer wie er darf in einer solch brisanten Situation für den Klub seinen persönlichen Hahnenkampf führen. Falls kein Wunder geschieht in den nächsten Wochen und der VfB eine Siegesserie hinlegt, war Balakows Aktion das Zeichen, das Kapitel Rangnick demnächst abzuschließen.

Drei Wochen nachdem Präsident Mayer-Vorfelder beim VfB in Pension gegangen ist, ist alles nur noch schlimmer geworden. Sein Nachfolger Manfred Haas hat sich entpuppt als Provinzpfau, den sie in seinem Golfklub nun noch ein bisschen wichtiger nehmen, wenn er mit Balakows Manager Bukovac auf ein paar Löcher vorbeikommt. Und im Ländle warten sie weiterhin vergebens darauf, dass sich die Sport- und Marketing-Direktoren Karlheinz Förster und Hansi Müller endlich von Lehrlingen zu verantwortungbewussten leitenden Angestellten entwickeln.

Bei jeweils 450 000 Mark Jahresgehalt könnte man von den zwei Altinternationalen mehr erwarten als Kopfnicken und Schweigen und Zuschauen, wie ein in die Jahre gekommener Balakow den Betrieb ruiniert.

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