VfB Stuttgart : Bobic in heikler Mission

Rückkehr zum VfB: Fredi Bobic tritt als neuer Sportdirektor in Stuttgart die schwierige Nachfolge von Horst Heldt an.

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Willkommen. Vorstand Ulrich Ruf (r.) empfängt Sportdirektor Fredi Bobic.
Willkommen. Vorstand Ulrich Ruf (r.) empfängt Sportdirektor Fredi Bobic.Foto: dpa

Wie viele Dinge es beim VfB Stuttgart zu erledigen gibt, zeigt der Wochenplan des neuen Sportdirektors Fredi Bobic. Während sich die VfB-Profis und Trainer Christian Gross zur Qualifikation für die Europa League gegen Molde FK aufmachen, muss Bobic seinen ersten schweren Job in Stuttgart erledigen. Sami Khedira kehrt aus dem WM-Urlaub zurück und wird wohl seinen Wechsel zu Real Madrid verkünden. Dass er den Nationalspieler zum Bleiben und einer Vertragsverlängerung überreden kann, glaubt Bobic nicht ernsthaft. „Wir würden gerne verlängern“, sagte der 38-Jährige dennoch bei seiner Vorstellung in Stuttgart. „Es liegt an ihm. Aber es wäre schade, wenn er nächstes Jahr gehen würde und wir nichts bekommen“, fuhr Bobic fort. In diesem Jahr kann der VfB noch eine Ablöse für Khedira einstreichen, von zwölf bis 15 Millionen Euro ist die Rede. 2011 läuft Khediras Vertrag aus, der Deutsch-Tunesier könnte dann ohne Entschädigung gehen. Daran hat Fredi Bobic kein gesteigertes Interesse, denn die Millionen aus Madrid kann er gut gebrauchen, um Verstärkungen einzukaufen.

Als der ehemalige Stürmer am späten Dienstagvormittag zur ersten Pressekonferenz erschien, war von Aufregung angesichts der kommenden Aufgaben allerdings wenig zu spüren. „Ich war elf Jahre weg und manches hat sich verändert, aber ich hatte immer engen Kontakt zum VfB“, sagte Bobic, der von 1994 bis 1999 148 Bundesligaspiele (69 Tore) für die Stuttgarter machte und zuletzt beim bulgarischen Klub Burgas als Geschäftsführer arbeitete. „Ich freue mich auf den Job, der VfB war der Verein, für den ich am liebsten gespielt habe.“

Trotz aller Vorfreude sieht sich Bobic in Stuttgart mit einer „großen Herausforderung“ konfrontiert. Mit der Einschätzung liegt der 37-malige deutsche Nationalspieler nicht falsch. Zusammen mit seinem neuen Klub steht Bobic vor einer schwierigen Saison. Nach den Abgängen der Führungsspieler Jens Lehmann, Alexander Hleb und wohl Khedira steht der Kader vor einem Umbruch. Derzeit sind Neueinkäufe wie der Schweizer Philipp Degen (Liverpool), André Ayew (Marseille) und Ibrahima Traoré (Augsburg) im Gespräch, für die man dringend die Khedira-Millionen bräuchte. Gross setzte Bobic und den Klub mit einem Statement unter Zugzwang. „Ich mache mir Sorgen und das schon seit Wochen“, sagte Gross, auf eventuelle Neuzugänge angesprochen. Am Montag hatte der Trainer Bobic im ersten Gespräch deutlich gemacht, dass er baldige Ergebnisse auf dem Transfermarkt erwarte. „Ich kenne ihn nicht, er kennt mich nicht. Aber ich habe ein positives Gefühl“, sagte Gross zur Verpflichtung Bobics, der die Wünsche des Trainers mit denen des Vorstands in Einklang bringen muss. Und der will lieber sparen.

Auch im Innenverhältnis wartet auf Bobic, der anders als sein Vorgänger Horst Heldt keinen Sitz im Vorstand bekommen wird, eine Menge Arbeit. Als „Orientierungsphase“ beschrieb Bobic seine ersten Wochen. Gespannt darf man auf sein künftiges Verhältnis zum mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt sein, mit dem Heldt nicht gut auskam und der sich zudem von Präsident Erwin Staudt und Finanzvorstand Ulrich Ruf übergangen fühlte. Als der damalige Trainer Markus Babbel im Winter 2009 zur Disposition stand, fanden Gespräche der Führungsebene ohne Heldt statt, was diesen stark verärgerte. „Ich werde keine Boxhandschuhe anziehen“, sagte Bobic. „Ich werde mit Argumenten überzeugen und nicht alles persönlich nehmen.“

Viel Zeit für Kompetenzgerangel und Transfers bleibt Bobic, der die Spiele anders als Heldt von der Tribüne verfolgen will, nicht: Nach der Europa League wartet im DFB-Pokal Babelsberg, bevor am 22. August in Mainz die Bundesliga beginnt. Der Terminplan wird nicht leerer.

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