VfB Stuttgart : Bruno Labbadia: Der Genießer

Bruno Labbadia wirkt vor dem DFB-Pokalfinale zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München entspannt – dabei lebt der Trainer des VfB Stuttgart von seinen Emotionen.

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Nicht stören, träume vom Pokal. VfB-Trainer Labbadia freut sich aufs Finale.
Nicht stören, träume vom Pokal. VfB-Trainer Labbadia freut sich aufs Finale.Foto: AFP

Als der letzte öffentliche Auftritt vor dem DFB-Pokalfinale absolviert ist, legt Bruno Labbadia seinen Arm um Jupp Heynckes’ Schultern. Plaudernd verschwinden die beiden Trainer in den Katakomben des Berliner Olympiastadions. Entspannt wirkt der Coach des VfB Stuttgart am Tag vor dem großen Spiel. „Das ist ein Endspiel, das macht mir riesig Spaß, das ist ein bisschen die Sahne obendrauf“, sagt Labbadia. „Diese Atmosphäre im Stadion ist einzigartig, die wollen wir aufsaugen.“

Labbadia, der Genießer. Ein ungewohntes Bild von einem Trainer, dem eher das Image des Nörglers nachhängt. In Berlin scheint der 47-Jährige das alles hinter sich zu lassen. Er hält eine Laudatio auf den Kollegen Heynckes und verfasst in nonchalant-hessischer Sprechweise Außenseiter-Lyrik: „Wir wissen, dass an einem Tag immer etwas geht“, „wir müssen an unsere Grenzen gehen, um Bayern Paroli bieten zu können“ und ähnliche Verse.

Bei dem bisher einzigen und letzten Finalbesuch seiner Trainerkarriere in Berlin 2009 wirkte Labbadia noch angespannt. Der „Süddeutschen Zeitung“ hatte er zuvor in einem Interview gesagt, dass es so nicht weitergehen könne und nach dem 0:1 gegen Bremen ging es dann auch nicht weiter für ihn bei Bayer Leverkusen. Dabei hat Labbadia eigentlich immer nur genießen wollen. Er ist bekennender Fan des DFB-Pokals. „Sie werden es nicht glauben, aber das bin ich“, sagt er Tage zuvor bei einem Gespräch in Stuttgart. Der Reiz der direkten Entscheidung, Hopp oder Top, „das hat mich schon als Spieler gepackt“.

Dabei ist er nur einmal Pokalsieger geworden, als der Stürmer Kaiserslautern mit zwei Toren zum Finalerfolg 1990 schoss. Nun könnte Labbadia seinen ersten Titel als Trainer gewinnen – oder Heynckes den letzten Triumph lassen. Man kennt sich. „Er hat mich zu den Bayern geholt“, erinnert sich Labbadia, aber „ich konnte leider nur ein paar Monate unter ihm spielen“. Sonderlich erfolgreich waren sie allerdings nicht zusammen, im August 1991 schieden sie gegen den Zweitligisten FC Homburg in der zweiten Pokalrunde aus, drei Monate später wurde Heynckes in München entlassen.

Bruno Lababdia: „Das habe ich mir als Erstes geschworen, als ich Trainer wurde: Erzähle so wenig wie möglich von früher.“

Drama, Triumph, alles Teil der Faszination Pokal. Erzählen will Labbadia den Spielern nicht von damals. „Das habe ich mir als Erstes geschworen, als ich Trainer wurde: Erzähle so wenig wie möglich von früher. Was sollen die Spieler heute damit anfangen, wenn ich von 1990 erzähle?“ Er hält sich da lieber zurück, setzt auf andere Methoden, auf seine Emotionalität. „Die Begeisterung für etwas, die lässt sich transportieren“, sagt er. Ab der ersten Pokalrunde gegen Falkensee-Finkenkrug (5:0) schrieb Labbadia ein Datum an die Kabinentafel: Berlin, 1.6.2013.

Sein Temperament aber stand Trainer Labbadia bisher oft genug im Weg. Etwa als vor dem Pokalfinale 2009 sein Gerechtigkeitssinn mit ihm durchging, wie er später zugab, er in Leverkusen eine Kampagne gegen sich witterte. Oder als er im Oktober in Stuttgart wütete, ein Trainer sei nicht der Mülleimer für jedermann. Damals stand Labbadia vor der Entlassung.

„Manchmal muss auch mal raus, was in einem kocht“, sagt Labbadia im Rückblick. „Es ging mir einfach darum, auf die Situation hinzuweisen.“ Der VfB musste sparen, gute Spieler abgeben, in drei Wettbewerben bestehen. „Wenn dann gleichzeitig die Erwartungen hoch sind, darf man schon mal darauf hinweisen.“ Da fand Labbadia, so viel Gerechtigkeitssinn muss sein, seine Arbeit nicht ausreichend gewürdigt. Am Ende verlängerte er jedoch seinen Vertrag bis 2015. Dabei weiß Labbadia nach Tabellenplatz zwölf: „Wir haben in der Bundesliga nicht den Fußball zeigen können, der mir vorschwebt.“ Aber in der Europa League hat Stuttgart als einziges deutsches Team das Achtelfinale erreicht und im Pokal das Finale. Vielleicht liegt das auch an Labbadias Leidenschaft für das große Drama.

„Wir sind hierhergekommen, um den Pokal zu gewinnen“, sagt er. Und Heynckes will er nur mit Lobeshymnen und Umarmungen verabschieden, nicht mit dem Titel. „Ich gönne ihm jederzeit alles, aber nicht am Samstag“, hat Labbadia gesagt. Denn genießen könnte er eine Niederlage kaum, trotz aller Finalfaszination.

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