VfB Stuttgart : Deutscher Handwerksmeister

Huldigungen, kein Applaus: Der VfB Stuttgart bezwingt Bremen mit Konterspiel 6:3 und wirft Werder im Titelkampf zurück.

Oliver Trust[Stuttgart]
Gomez
Spielmotto Kampfeslust: Der VfB Stuttgart wirft Werder Bremen im Titelkampf mit klugem Konterspiel weit zurück. -Foto: dpa

Von den Rängen gab es nicht nur Applaus, es waren Huldigungen, die dem Matchwinner von den 55 000 Zuschauern im Daimler-Stadion zu Stuttgart zuteil wurden. Beim Duell Stuttgart gegen Bremen war es Mario Gomez, der mit drei Toren den 6:3-Sieg der Schwaben ermöglichte und Werder fast im Alleingang besiegte. Sieben Punkte hat Werder nun Rückstand auf den FC Bayern. Neben Gomez traf zweimal Cacau für Stuttgart, den fünften Stuttgarter Treffer in einem bemerkenswerten Spiel hatten Bremens Clemens Fritz und Per Mertesacker mit einem Eigentor beigesteuert. Kurz vor Schluss musste Mertesacker nach einer Attacke gegen Gomez mit Rot vom Platz. Es war sein erster Platzverweis in der Bundesliga. Am Ende ging Bremen dann die Luft aus, dabei hatte es für die Norddeutschen gar nicht schlecht angefangen.

Wer etwa müde Bremer erwartet hatte, sah sich getäuscht. Nicht ein einziger im schlammfarbenen Trikot hat an diesem Nachmittag gähnen müssen, weil er etwa zu wenig geschlafen hatte. Dabei waren das 0:2 im Hinspiel des Uefa-Cup-Achtelfinales bei den Glasgow Rangers und die beiden Patzer von Werder-Torwart Tim Wiese knappe 40 Stunden her.

Die frühe, aber nicht unverdiente Führung gelang bereits nach acht Minuten, als die VfB-Abwehr schwach aussah. Markus Rosenberg flankte von links, ohne gestört zu werden. Hugo Almeida setzte seinen Kopfball unbedrängt ins lange Eck zum 1:0. Der 19 Jahre alte Amateurtorwart Sven Ulreich sah dabei nicht gut aus. Ohne Spielmacher Diego (Rotsperre), den verletzten Thorsten Frings und den angeschlagenen Ivan Klasnic bestimmten die Bremer die Partie. Und das trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs durch Gomez. Nach einem Pass von Marica erzielte der Nationalspieler sein 12. Saisontor. Dieses 1:1 war sein zehntes Pflichtspieltor 2008. Wo, darf man an dieser Stelle fragen, stünde der Deutsche Meister ohne den 22 Jahre alten Deutsch-Spanier?

Die Abwehr der Schwaben zeigte wieder Schwächen. Ob es die vielen Wechsel waren, die die Mannschaft von Armin Veh so durcheinander brachten? Mit Osorio, Boka, Tasci, Da Silva standen vier neue in der Anfangself. Der VfB fing sich trotzdem. Bremen gab das sicher kontrollierte Spiel aus der Hand. Wieder war es Gomez, der den VfB rettete. Und dabei verwertete er wohl den schlechtesten Pass des Spiels. Der kam von Yildiray Bastürk. Gomez kam trotz des lausigen Abspiels an den Ball und spitzelte ihn an Wiese vorbei ins Tor. Die Schwaben hatten sich zurück ins Spiel gekämpft, dank der genialen Momente von Gomez.

Und als sei nun die neu entdeckte Kampfeslust zum Spielmotto überhaupt ausgerufen worden, rief der überdrehte Stadionsprecher den Zuschauern zu: „Kämpfen, arbeiten und schaffen“. Fußball in Stuttgart kann derzeit offenbar allenfalls biederes Handwerk sein. Vergangene Woche noch hatte sich Trainer Armin Veh fast sehnsüchtig mal wieder „schönen Fußball“ gewünscht. Zumindest gegen Bremen musste der VfB-Coach mit weit weniger als dem Ersehnten zufrieden sein. Die prägende Mannschaft des Spiels aber blieb Werder. Die Hanseaten ließen die Stuttgarter kaum zur Entfaltung kommen – bis auf die Konter, was sich für Bremen bitter rächen sollte.

Dass Werder weiter kein Tor gelang, blieb eines der verwunderlichen Dinge des Spiels. Erst in der 61. Minute gelang Sebastian Boenisch das 2:2. Das konterte wieder Gomez mit dem 3:2. Und Cacau schaffte das 4:2. Werder kam heran, doch den Stuttgarten gelangen noch zwei Treffer. Es war eine Niederlage, die den Bremern noch lange anhängen könnte.

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