Sport : VfB Stuttgart: Die falschen Spanier

Oliver Trust

Die Aufstellung ist fast Nebensache, wie viele Zuschauer kommen, ist praktisch egal. Vor diesem Spiel im Achtelfinale des Uefa-Cups am Donnerstagabend im Gottlieb-Daimler-Stadion ist wichtig geworden, gegen wen der VfB Stuttgart in Zukunft antreten könnte. Celta de Vigo heißt der heutige Gegner, doch die Schwaben träumen von einem klangvollerem Namen: FC Barcelona. Und von dem vielen Geld, das der Klub erwarten könnte, wenn es in der nächsten Runde zu einer Begegnung mit den Katalanen kommen sollte. Fünf Millionen Mark hat der Klub bis jetzt eingenommen. Viel ist das nicht angesichts von 30 Millionen Mark Schulden und dem teuren Stadionumbau, der 100 Millionen kostet. 5,2 Millionen muss der Klub jedes Jahr an die Stadt Stuttgart zurückzahlen.

Angesichts der Alltagssorgen im Abstiegskampf der Bundesliga und den finanziellen Nöten aber wirkt der Blick in die Zukunft wie ein Kururlaub. Mancher in Stuttgart erweckt den Eindruck, er wolle den Erfolg über Celta de Vigo herbeibeten, indem so oft wie möglich der Name Barcelona fällt. Weitere fünf Millionen wäre ein Duell gegen den FC Barcelona wert. Geld, das der Klub dringend braucht. Trainer Ralf Rangnick ist mit seinen Sorgen in den Hintergrund gerückt. Es scheint, als gäbe es nichts Wichtigeres, als über mögliche Börsengänge, Vermarktung und Beteiligungen zu sprechen.

Präsident Manfred Haas saß im Fernsehstudio bei der Sendung "Sportbörse" des Deutschen Sportfernsehens und machte den Klub als Börsenkandidat schmackhaft. Bis 2004 wäre der Gang des Vereins an die Börse durchaus denkbar. Letzte Woche präsentierte der Klub seine Beteiligungs GmbH einem erlauchten Kreis von Sponsoren. Die lokale Wirtschaft soll stille Einlagen einzahlen und kann im besten Fall eine Rendite erwarten. Haas, im Hauptjob Vorstandsvorsitzender der Sparkassenversicherung in Baden-Württemberg, will im Gegenzug die Einnahmen aus den Vermarktungsrechten des Klubs am neuen Stadion einbringen.

Hinter den Kulissen klagte der jetzige Marketing-Direktor und frühere Geschäftsführer der Marketing GmbH, Peter Godenrath, wiederholt über Schwierigkeiten, die neuen Vip-Logen zu verkaufen, wenn der Klub auf Rang 15 im Abstiegskampf steckt. Deshalb ging Godenrath schon mal auf Trainer Rangnick los und warf ihm öffentlich eine falsche Taktik vor. Dafür hat er von Sportdirektor Rolf Rüssmann neulich einen Rüffel erhalten. Gehen die Pläne des Präsidiums nicht auf, scheitert der VfB Stuttgart an Celta de Vigo und der FC Barcelona bleibt ein schöner Traum, dann steht der Klub vor noch größeren Schwierigkeiten.

Probleme hat der Klub schon jetzt. Die Stuttgarter versuchten mit dem Wechsel des Hauptsponsors, das gegenwärtige Finanzdilemma abzumildern. Statt dem Telekommunikations-Unternehmen "Debitel", das sieben Millionen pro Saison zahlt, sollte der Stromversorger "EnBW" für zwölf Millionen pro Jahr auf die Trikotbrust. Debitel drohte mit dem sofortigen Ausstieg, als man von den Verhandlungen erfuhr, die der ehemalige Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder eingefädelt haben soll. Die Stuttgarter brachen, so ließ der Verein verlautbaren, die Verhandlungen mit "EnBW" wegen terminlicher Schwierigkeiten ab. Jetzt haben sie in Stuttgart auch noch Probleme mit der Zeit.

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