VfB Stuttgart : Entspannter Verlierer

Der VfB Stuttgart konzentriert sich auf die Liga. Im Spiel gegen die Bayern zeigten die Schwaben noch nicht ihr wahres Gesicht.

Frank Hellmann[Stuttgart]
VfB Stuttgart
Meister ohne Chance. Stuttgart ließ dem FC Bayern im Ligapokal den Vortritt. -Foto: dpa

Unüberhörbar war der Unmut der schwäbischen Kundschaft. Die Pfiffe im Oval verstärkten sich nach einem neuerlich missratenen Pass, der direkt im Fuße eines Fußballers im rotweißroten Outfit landete. Keine Frage, für die Fans des VfB Stuttgart wirkte die 0:2-Niederlage im Ligapokal-Halbfinale gegen den FC Bayern wie ein Regenguss an einem lauen Sommerabend. 45 500 Augenzeugen, so denn Stuttgarter Sympathisanten, machten sich mit einer Mixtur aus Ernüchterung und Enttäuschung aus dem Gottlieb-Daimler-Stadion auf den Heimweg. Hatten sie bereits die Wachablösung des alten Meisters gesehen?

Gemach, gemach, beteuerten die Vordenker beim VfB. „Ich sehe das ganz entspannt“, sagte Manager Horst Heldt und setzte ein verräterisches Grinsen auf. So als wolle er sagen: Wartet ab, bis wir unser wahres Gesicht zeigen. Zehn Spieler fehlten beim Titelträger, darunter eben unverzichtbare Größen wie der verletzte Abwehrchef Matthieu Delpierre, der verletzte Torjäger Mario Gomez oder Spielmacher Yildiray Bastürk. Ganz zu schweigen von Pavel Pardo, „unserem Chef“, (Horst Heldt), der gerade ins Training eingestiegen ist. Ohne diese Korsettstangen ist das Stuttgarter Ensemble nicht konkurrenzfähig. Zumindest nicht gegen die mit Millionenaufwand aufgepäppelten Münchner. Heldt sagte: „Die Bayern wollten ein Zeichen setzen, wir haben andere Prioritäten. Im Ligapokal müssen wir nicht auf Augenhöhe sein.“

Insgeheim ist auch Trainer Armin Veh froh, nicht im Fokus der Öffentlichkeit das Ligapokalfinale in Leipzig bestreiten zu müssen, sondern in schwäbischer Heimat trainieren zu können. „Ich nehme dieses Ergebnis ganz locker“, sagte Veh, „ich habe nichts anderes erwartet: Wir arbeiten auf den Beginn der Runde hin, weil uns ein schweres halbes Jahr bevorsteht.“ Das Ziel seiner Arbeit sei es, zur Meisterschaft fit sein. „Der Ligapokal war für uns ein Testspiel nicht mehr.“

Und doch ist ein bisschen Besorgnis angebracht, dafür verriet der eine oder andere Spieler gegen die Bayern erschreckende Schwächen: Der aus Nürnberg transferierte Raphael Schäfer sah beim Traumtor von Franck Ribery schlecht aus, für den Pardo-Vertreter Silvio Meißner ging alles ein bisschen zu schnell, Neuzugang Ewerthon weist noch Trainingsrückstand auf. Immerhin: Der aus Rostock verpflichtete Gledson könnte die Lücke in der Innenverteidigung schließen, die nach Delpierres Verletzung an der Patellasehne und dem Ausfall von Serdar Tasci entstanden ist.

Von der VfB-Mannschaft, die am 21. April dieses Jahres die Bayern 2:0 bezwang, standen gerade einmal vier Akteure in der Anfangself. „ Angst habe ich beim besten Willen nicht vor den Bayern, weil ich weiß, welches Potenzial wir besitzen und wie viel Luft noch nach oben ist“, sagte Heldt.

Grundsätzlich sehen sich die Schwaben bestens aufgestellt, um am 10. August für das Auftaktspiel gegen den FC Schalke 04 gewappnet zu sein. Endlich hat Wunschstürmer Ciprian Marica von Schachtjor Donezk unterschrieben. Der 21-Jährige ist dem Klub die Rekordablöse von fast acht Millionen-Euro wert, den 15-fachen rumänischen Nationalspieler preist Heldt als Neuzugang mit besonderer Qualität. Überhaupt hat mit dem Titeltriumph ein neues Selbstbewusstsein im Verein für Bewegungsspiele Einzug gehalten: Kapitän Fernando Meira ist trotz des Begehrens von Juventus Turin für unverkäuflich erklärt worden, Aufsteiger Gomez hat sich zu noch einmal verbesserten Bezügen bis 2012 gebunden. Und auf der Mitgliederversammlung stellte Präsident Erwin Staudt neue Rekordmarken vor: 77,1 Millionen Euro Umsatz, zum vierten Male einen Gewinn erwirtschaftet. Dank der Champions-League-Teilnahme werde der Umsatz in dieser Spielzeit gar auf mehr als 100 Millionen Euro steigen. „Das ist eine gigantische Hürde, die wir überschreiten“, sagte Staudt. Genauso beeindruckend wie seine Wiederwahl: mit 1063 von 1084 Stimmen.

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