VfB Stuttgart : Gomez reicht nicht

Der VfB Stuttgart verspielt beim 2:3 in Dortmund wohl die Champions League.

Felix Meininghaus
Mario Gomez
Wechselt er schon im Sommer? Mario Gomez. -Foto: AFP

DortmundWen mag Thomas Doll wohl gemeint haben, als er ankündigte, wer sich jetzt schon Gedanken um die EM mache, „findet sich ganz schnell auf der Bank wieder?“ Bestimmt die zuletzt betont lustlos über den Rasen trabenden kroatischen und Schweizer Nationalspieler Mladen Petric und Alexander Frei. Allerdings entzog sich Petric beim gestrigen Kick gegen den VfB Stuttgart dem Bann, indem er sich mit Rückenbeschwerden abmeldete, und Frei durfte doch von Anfang an ran. Dolls Worte waren also nicht mehr als eine leere Drohung. Da hatte die Ankündigung, Wiedergutmachung für die trostlose Nullnummer gegen Nürnberg zu leisten, schon mehr Substanz. Der BVB gewann vor 64 400 Zuschauern gegen den abgelösten Meister mit 3:2 (1:0) und zeigte dabei mehr als eine Halbzeit lang eine überzeugende Partie. Mit den drei Punkten ist der Klassenerhalt endgültig gesichert.

Dagegen verspielten die Schwaben ihre wohl letzte Chance auf den erneuten Einzug in die Champions League und müssen nun sogar um die Teilnahme im Uefa-Cup bangen. Dabei stellte der VfB von Beginn an die spielerisch reifere Mannschaft und kombinierte gefällig durchs Mittelfeld. Das war es allerdings auch. Je näher es auf den Dortmunder Strafraum zuging, desto mehr schwand die Zielstrebigkeit. Da auch die Dortmunder wenig Konstruktives leisteten, herrschte an einem lauen Frühlingsabend eine halbe Stunde lang nichts als Langeweile. Als erste Pfiffe aufkamen, nahm sich Tinga ein Herz und erzielte in der 35. Minute die Dortmunder Führung. Und was tat Stuttgart? Nicht viel. Ein harmloser 30-Meter-Schuss von Pavel Pardo, mehr war nicht drin.

Auch nach dem Seitenwechsel agierten die Gastgeber zunächst schwungvoller und hätten ihre Führung durch Blasczcykowski ausbauen können. Doch stattdessen schlug Mario Gomez zu: Der Nationalstürmer war nach einer Flanke von Meira zur Stelle und glich aus. Der BVB ließ sich nicht entmutigen. Allerdings war der Freistoßtreffer von Frei nur unter gütiger Mithilfe von VfB-Keeper Raphael Schäfer möglich, der ohne Not die Torwartecke verließ, wo der Ball hinter ihm einschlug. Später erzielte der Schweizer noch einen Treffer, als er vom starken Nelson Valdez herrlich freigespielt wurde. Gomez gelang in einer turbulenten zweiten Hälfte nur noch das Anschlusstor.

Ob dieser Sieg hilft, den Arbeitsplatz von Thomas Doll über das Saisonende hinaus zu sichern, erscheint indes fraglich. Immer mehr verdichten sich die Anzeichen, dass sich der BVB vom ehemaligen Nationalspieler trennen wird. Zuletzt wurden die Namen der Holländer Martin Jol und Leo Beenhakker gehandelt. Der Erstgenannte scheint allerdings einen Job beim Hamburger SV zu bevorzugen. Und der Fußball-Weltenbummler Beenhakker, zur Zeit polnischer Nationaltrainer, sagte der Tageszeitung „De Telegraph“, er habe dem BVB vorerst abgesagt, um bei seinem derzeitigen Arbeitgeber keine Unruhe aufkommen zu lassen. Schließlich trifft der 65-Jährige bei der EM mit seinem Team auf die deutsche Nationalmannschaft. Die Darstellung Beenhakkers steht im Widerspruch zu der von Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der betonte, es habe keinerlei Gespräche gegeben. Watzke wiederholt gebetsmühlenartig, sein Klub führe keine Trainerdiskussion. Vielleicht ist diese Aussage ja auch so gemeint, dass die Würfel längst gefallen sind. Gegen Doll.

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