VfB Stuttgart : Phasenweise chaotisch

Mit Ach und Krach hat der VfB Stuttgart die erste Runde im DFB-Pokal überstanden. Dem Meister fehlt noch die Souveränität der Vorsaison.

Daniel Meuren[Mainz]

MainzEs passte ins Bild, dass die Spieler des VfB Stuttgart das Mainzer Bruchwegstadion durch eine Hintertür verlassen mussten, auf der „Jugendkabinen“ stand. Beim mühsamen und glücklichen 2:1 (0:0)-Sieg im Ausweichstadion des SV Wehen Wiesbaden präsentierte sich der Deutsche Meister nämlich eher wie eine hochtalentierte Nachwuchsmannschaft, die aufgrund spielerischer Veranlagung alles erreichen und ein fast schon verlorenes und phasenweise chaotisches Spiel drehen kann. Allerdings scheint dem VfB in der Sommerpause die Souveränität eines Meisterteams abhanden gekommen zu sein.

In der ersten Halbzeit ließ der VfB noch locker und überheblich gute Chancen aus, das wirkte noch wie Arroganz, doch nach der Pause erinnerte das Team an eine Nachwuchsmannschaft. Anstatt gelassen das körperbetonte Spiel des Zweitliga-Aufsteigers zu erdulden, ließ sich VfB-Innenverteidiger Gledson zu einer Tätlichkeit gegen Valentine Atem hinreißen. Resultat waren die Rote Karte für den Brasilianer und das 1:0 für Wehen durch einen Freistoß von Catic. „Gledson ist noch nicht so lange bei uns, deshalb hat er sich unsere Souveränität noch nicht aneignen können“, sagte Sportdirektor Horst Heldt. Der Innenverteidiger wird für seinen Tritt gegen den am Boden liegenden Gegenspieler auch vereinsintern bestraft, signalisierte Heldt. Vor allem aber dürfte er seine Chancen auf einen Platz im Team vorerst verwirkt haben. „Wer als Neuzugang ins Team will, muss sich mit starken Leistungen reinspielen“, sagte Trainer Armin Veh. „Das hat er heute sicher nicht getan.“

Doch auch Gledsons Kollegen erweckten den Eindruck, als ob ihnen die durchwachsene Vorbereitung an die Nerven gegangen sei. Nationalspieler Thomas Hitzlsperger durfte froh sein, dass er von Schiedsrichter Felix Brych nicht vorzeitig Rot sah, nachdem er Maximilian Nicu von hinten mutwillig in die Beine getreten hatte. Dafür musste Kapitän Fernando Meira fünf Minuten vor Schluss vom Platz, nachdem er Benjamin Siegert an einem gefährlichen Konter gehindert hatte. „Da muss man nicht drumherum reden, wir haben eine problematische Vorbereitung hinter uns. Dann passieren solche Sachen, weil sich die Mannschaft nicht wirklich Sicherheit erarbeiten konnte”, sagte Veh. „Es wird auch noch einige Wochen dauern, bis wir so weit sind. Bis dahin werden wir uns irgendwie hinüberretten.“

In der ersten Runde des DFB-Pokals gelang zumindest das. Die Stuttgarter fanden selbst in Unterzahl wieder zu ihrem gepflegten Pass- und Laufspiel. In der 58. Minute erzwangen sie die Hinausstellung des Wehener Torwarts Adnan Masic, der mit einer Notbremse außerhalb des Strafraums VfB-Neuzugang Ciprian Marica am Ausgleich hindern konnte. Wenige Minuten später holte Marica dann einen Strafstoß heraus, den Roberto Hilbert zum 1:1 verwertete. In der Schlussminute gelang dem Nationalspieler erneut ein Treffer, nachdem Wehens Kapitän Sandro Schwarz Serdan Tasci gefoult hatte und als vierter Spieler – mit Gelb-Rot – des Feldes verwiesen worden war.

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