VfB Stuttgart : Robin Dutt: Sieger über das Chaos

Manager Robin Dutt hat beim VfB Stuttgart die Macht an sich gezogen – und seine Strategie geht bisher auf.

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Einer trainiert, der andere zieht die Strippen. Manager Dutt (links) hat sogar Trainer Huub Stevens dazu gebracht, seine bevorstehende Ablösung mitzutragen.
Einer trainiert, der andere zieht die Strippen. Manager Dutt (links) hat sogar Trainer Huub Stevens dazu gebracht, seine...Foto: dpa

Dieses Mal hat Robin Dutt nicht mit drohendem Unterton eingegriffen. Der starke Mann des VfB Stuttgart ließ an diesem Frühlingsabend alles laufen. Im Stadion herrschte nach dem 2:0 über Mainz grenzenloser Optimismus. Manager Dutt genoss die neue Lage wie alle anderen. Die VfB-Anhänger jubelten, als sei die nächste Meisterschaft errungen. In Dutts Gesicht war die lausbübische Botschaft abzulesen: Das hättet ihr uns wohl nicht zugetraut. Was zweifellos stimmt. Die Stuttgarter standen nicht nur für späte Gegentore, die ihre überforderte Hintermannschaft kassierte, sondern für eine ordentliche Portion Chaos. Nun öffnet sich im Chaos plötzlich ein Türchen.

Die Schwaben schlüpfen in eine neue Rolle: in die des aussichtsreichen Herausforderers, der sogar die Muskeln spielen lässt. „Wir haben ein Gefühl der Stärke in uns, aber es bleibt der Blick auf die Tabelle“, sagte Dutt. In seiner Aussage spiegelt sich ein neues Selbstvertrauen wider, obwohl der Klub weiter am Tabellenende steht, aber den Abstand zum 14. HSV aber auf zwei Punkte verkürzt hat. Der Trend des VfB zeigt nach fünf guten Heimspielen (drei Siege, zwei Remis) nach oben.

Der VfB Stuttgart hat es wieder selbst in der Hand

In den verbleibenden Spielen gegen den HSV und in Paderborn haben es die Stuttgarter selbst in der Hand, wie sie gerne betonen. „Wir üben Druck auf die anderen aus. Es ist wie im Pokal. Das war das Viertelfinale, jetzt der HSV im Halbfinale und Finale gegen Paderborn“, sagte Stuttgarts Kapitän Christian Gentner.

Dass Dutts – zumindest nach außen vertretene – Politik der Gelassenheit nun Früchte trägt, ist in der Tat erstaunlich. Intern regelt der ehemalige Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes dagegen Dinge kompromisslos. Auf seine Anweisung wird ausgeblendet, dass mit Alexander Zorniger ligaunabhängig ein neuer Trainer für die kommende Saison feststeht. Wer gegen die Vorgaben verstößt, bekommt Dutts Ärger zu spüren, wie die schwäbische Ikone Hansi Müller, der Zornigers Verpflichtung in einer Fernsehsendung als Tatsache ausplauderte und daraufhin seinen Posten im Aufsichtsrat räumen musste.

Robin Dutt nutzt beim VfB seine Macht, um Ordnung herzustellen

Die Causa Müller zeigt, Dutt hat beim VfB alle Macht an sich gezogen und versucht das Chaos zu ordnen oder zu moderieren. Im Abstiegskampf hat er bedingungslos Ruhe verordnet und spielt seine Macht aus, die ihm das Präsidium um Bernd Wahler ermöglicht. Anders ausgedrückt: Der VfB verlässt sich auf Dutts Strategie, selbst der mitteilsame Aufsichtsratschef Joachim Schmidt schweigt. Dutt verdonnerte Trainer Huub Stevens, der das kuriose Verwirrspiel um seine Zukunft ebenfalls kommentarlos mitmacht, zu mehr Offensive (Alexandru Maxim). Spät in der Saison fanden sich Trainer und Mannschaft. Stevens hat dabei Flexibilität bewiesen und erkannt, dass auch er nur gewinnen kann.

Maxim, Daniel Ginczek und Martin Harnik werden seitdem als neues „magisches Dreieck“ (früher Balakow, Elber und Bobic) gefeiert. Gegen Mainz ersetzte der beim Publikum überaus beliebte Daniel Didavi Maxim und zeigte in seinem siebten Saisonspiel nicht nur, dass er mehr als Ersatz für den guten Rumänen sein kann, sondern dass es gelang, „einen neuen Impuls zu setzen“ (Dutt).

Didavi half einer überlegenen, aber unübersehbar verunsicherten Stuttgarter Mannschaft gegen schwache Mainzer mit einem Verzweiflungsschuss aus 34 Metern zum 1:0, und der Mainzer Torwart Loris Karius half mit einem Patzer. Didavi freute sich über „den ersten Schritt“ im Abstiegskampf. Mit negativen Gedanken, also dem Scheitern, will man sich in Stuttgart derzeit nicht beschäftigen. Selbst der neu aufflammende Optimismus könnte am Ende eine Anweisung von Manager Dutt sein.

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