VfB Stuttgart : Wir können alles – außer Zweite Liga

Bisher hat man sich stoisch optimistisch gegeben, es wird schon irgendwie gutgehen. Der VfB Stuttgart ist nicht auf einen eventuellen Abstieg eingestellt, weder sportlich noch finanziell.

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Liegt da vielleicht ein Cent auf dem Rasen?
Liegt da vielleicht ein Cent auf dem Rasen?Foto: dapd

Seit ein paar Wochen hört man in Stuttgart wieder etwas über die Opposition. So richtig ernst genommen wurde sie bisher von den Verantwortlichen des Vereins nicht. Dem Ganzen fehle die nötige Durchsetzungskraft – und das „Oppositiönle“ wurde eher belächelt. Das Bündnis „Aktion VfB 2011“ ist nun zwar noch immer weit entfernt von der nötigen Unterschriftenzahl für eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Die Gruppe aber ist im Aufwind und hat Präsident Erwin Staudt einen offenen Brief geschrieben, in dem sie Mitspracherecht für Mitglieder fordert, wenn es um Führungspositionen im Verein geht. Ob Staudt geantwortet hat, ist nicht bekannt. Nach der 1:4-Niederlage vom Samstag gegen den 1. FC Nürnberg könnte die Sache aber bald aktueller werden, als es den Beteiligten lieb ist. Der Abstieg droht dem VfB Stuttgart und die Zweifel im Umfeld wachsen, ob der Klub aus Schwaben darauf gut vorbereitet wäre.

Die Sorgen um den VfB schließen nicht nur das prekäre Bild ein, das die Mannschaft auf dem Rasen abgibt. Es zeigt sich an strukturellen Dingen, wie wenig man sich in Stuttgart mit Krisenszenarien bisher beschäftigt hat. Im Sommer läuft die Amtszeit von Klubchef Staudt aus, der seit 2003 im Amt ist. Bei einem Abstieg würde dessen Leistung wohl auf den sportlichen Niedergang reduziert. Eine Wiederwahl wäre praktisch ausgeschlossen – das aber könnte Probleme für den Verein nach sich ziehen. Staudt hat viel Einfluss und Kontakte. Und dass er die Mitgliederzahl des Vereins von 7500 auf rund 50 000 steigerte, bliebe wohl eher unbeachtet. Die Strahlkraft seines wichtigsten Projektes, dem Umbau der VfB-Arena in ein reines Fußballstadion, würde mit dem Abstieg von Problemen überlagert, mit denen im Verein keiner kalkuliert hat.

Im Sommer 2011 soll die Fußballarena fertig werden. Das Projekt galt als solide finanziert – bis der Klub nun eben in Abstiegsgefahr geriet. Die Zweite Liga war in den Planungen nie vorgesehen. 6,3 Millionen Euro Pacht im Jahr plus laufender Kosten könnte ein Zweitligaklub kaum aufbringen. Die städtische Stadiongesellschaft müsste Pachtzahlungen des Mieters zum Teil stunden. 3,5 Millionen müsste der VfB aber mindestens zahlen. Diese Last könnte der Verein in der Zweiten Liga höchstens eine Saison lang tragen, so wird im Umfeld gerechnet. Im Notfall müsste die Kommune einspringen.

Bisher hat man sich in Stuttgart stoisch optimistisch gegeben, es wird schon irgendwie gutgehen. Mit der Niederlage gegen Nürnberg hat sich zumindest bei den Fans alles gedreht. Apathisch beobachteten sie die eigenen Spieler, die vor dem Fanblock auftauchten. Sie schwiegen ohnmächtig. Obwohl Trainer Bruno Labbadia, dessen Bilanz wie die von Manager Fredi Bobic inzwischen desaströs ist, weiterhin mit stoischer Ruhe gegen die inzwischen fast körperlich spürbare Abstiegsangst vorzugehen versucht, sieht auch er die Hürden. Andere Mannschaften, die sich „mental auf den Abstiegskampf einstellen“ könnten, hätten Vorteile, meint Labbadia. In Stuttgart sei man dies nicht gewohnt. Die nervliche Verfassung im Umfeld des Vereins sei nicht die Beste. Gerade deshalb dürfe nun allerdings kein zusätzlicher Druck auf die Spieler gemacht werden, glaubt Labbadia. Einen genauen Plan zur Verhinderung des Abstiegs aber wusste der Trainer nicht zu erklären. Manche seiner Spieler wirkten, als hätten sie innerlich bereits mit der Bundesliga abgeschlossen. Andere wiederum erkennen den Ernst der bedrohlichen Situation nicht: Cacau behauptete tatsächlich, der Abstieg sei kein Thema für ihn. Serdar Tasci, der sich von Club-Stürmer Julian Schieber 90 Minuten lang vorführen ließ, glaubt, man werde den Abstieg schon noch aus eigener Kraft verhindern.

Schließlich krönt die Verwirrung im Transfer von Shinji Okazaki die schwäbischen Chaostage. Dessen alter japanischer Klub verweigert Shimizu S-Pulse Okazaki die Freigabe. „Zuletzt haben wir aber positive Signale erhalten“, sagte Bobic.

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