Sport : VfB-Trainer Schäfer tritt zurück

OLIVER TRUST

STUTTGART .Es wird ernst, wenn sich der Lieblingsspieler von Gerhard Mayer-Vorfelder so weit aus dem Fenster lehnt."Wenn Schäfer am Sonnabend Trainer ist, muß er von einer ganzen Armee geschützt werden." Ob der Chef nun Thomas Berthold vorgeschickt hat und der nur eine Dienstanweisung ausführte, ist nebensächlich.Demonstrationen mag Mayer-Vorfelder nicht.Schon gar nicht im eigenen Daimlerstadion.Da muß wie jetzt eher der Trainer gehen.Gestern ist Winfried Schäfer von seinem Amt zurückgetreten.Beim Spiel gegen den Hamburger SV sitzt heute Co-Trainer Wolfgang Rolff als Chef auf der Bank.

Am Dienstag hatte Schäfer die letzten Anhänger vergrault.Als VfB-Trainer in den Bayern-Block zu winken, gilt als Todsünde.Aber wahrscheinlich war ihm schon da klar, daß er nicht mehr oft die 100 Kilometer über die holprige A 8 nach Stuttgart fährt, höchstens um vorher nach Nürnberg abzubiegen, da soll ein gewisser Michael A.Roth schon den roten Teppich ausrollen.

Um eins gestern mittag ist er in Ettlingen das letzte Mal losgefahren, daheim wußte seine Frau Angelika, daß er an diesem Tag früher heimkommt."Ich rechne damit, daß ich gleich wieder umdrehe", sagte Schäfer und gab Gas, damit alles schnell vorbei ist."Wenn der Verein sich so etwas bieten läßt und keinen Mut hat, kann man nichts machen.Was sich da die Spieler leisten dürfen, ist unglaublich." Kurz vor Stuttgart dachte er gar nicht mehr an die Aufstellung, sondern an Erholung am Strand: "Diesmal gehe ich nicht gleich wieder irgendwo hin.Erst nach dem Urlaub." Den kann er von rund 2,5 Millionen Mark Abfindung bezahlen.

Am Ende haben sie ihn im Kollektiv rausgemobbt.Fredi Bobic, Frank Verlaat, Krassimir Balakow - fast alle.Aber da waren nicht nur die Spieler.Wenn der Boß des VfB Stuttgart heimlich in der Weltgeschichte herumfährt, in Karlsruhe Station macht, ohne bei seinem Trainer einen Kaffee zu trinken, spät in der Nacht heimlich nach Stuttgart heimkehrt, ist ein Trainerwechsel fällig.Das war in den fast 24 Jahren immer so.17mal.Schäfer ist der 18.

Ein bißchen mußten sie ihn diesmal drängen.So einfach wie sonst war es für den 65 Jahre alten Reserveoffizier nicht.Der Truppe fehlt die Motivation, und bei der Talfahrt in den Keller konnte selbst ein "Viertele" Trollinger die miese Stimmung nicht vertreiben.Der gute Tropfen hilft sonst gegen alle Krankheiten.Im Aufsichtsrat am Montag mußte er sich einiges anhören.Er solle gefälligst retten, was zu retten ist, er sei ja nicht unschuldig.Seit Tagen gibt er nicht mehr den "Gutelauneonkel ("Nehmt Haltung an und lacht").Er beklagte sich, wie schwer es sei, einen Verein zu leiten.Das übliche Rückzugsgefecht.Der Verein muß den Trainer schützen, weil der öffentliche Druck zu schwer geworden ist und die Zeitungen weder Ehre noch Moral kennen.So bellt er durch die Welt, um den Rauswurf zu verkaufen.

Winfried Schäfer wird als größtes Mißverständnis in die Vereinsgeschichte eingehen.157 Tage, so schnell hat noch kein Trainer den Karren an die Wand gefahren.Lange hat er erzählt, daß sie ihn hier nur nicht mögen, weil er aus Baden kommt.So baute der Medienarbeiter Schäfer aus Mayen in der Eifel eine Legende auf und spielte selbstherrlich Fußballheiland.Keine Kamera ließ er aus, hing am Telefon, beschwatzte Zeitungsredakteure, beschwerte sich über "Märchenerzähler", die böse über ihn schreiben.Daß man aber eine Mannschaft wie den VfB nicht übers Telefon oder die Zeitungen trainieren kann, hat ihm keiner gesagt.

Schon im Trainingslager in Weiler im Allgäu im Sommer verspielte der Fußballehrer allen Kredit.Nach ein paar Tagen hieß es: "Der redet nur wirres Zeug." Sie spürten bald, der Neue tut uns nicht weh.Im Gegenteil, die Spieler stellten Schäfer bei jeder Gelegenheit bloß.So leicht war es bei keinem vorher.

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