VfL Bochum : Japan in Blau-weiß

Shinji Ono bleibt Bochums Hoffnungsträger – auch wenn der Kader so gut besetzt ist wie noch nie.

Richard Leipold

Am 15. August beginnt die Fußball-Bundesliga. In unserer Serie testen wir die Vereine auf Stars, Stimmung und Chancen. Heute Folge 7: VfL Bochum.

Was hat sich verbessert? Die Kompetenz im Tor. Zur neuen Saison hat der VfL Bochum drei Torhüter unter Vertrag genommen: Daniel Fernandes und Andreas Lengsfeld für den Platz zwischen Pfosten sowie Thomas Ernst, einen früheren Bundesliga-Torwart, für den Schreibtisch in der Vorstandsetage. Der Auffälligste von den dreien war bisher Fernandes. Der als Nummer eins gesetzte Portugiese aus Saloniki deutete in der Vorbereitung an, dass er die Lösung eines Problems sein könnte, das den Revierklub seit längerem belastet.

Wer sind die Stars? Welche Stars? So lautet normalerweise die Gegenfrage. Inzwischen hat Bochum tatsächlich einen Spieler unter Vertrag, der als Star durchgeht – in Japan. Mittelfeldstratege Shinji Ono hat in der Bundesliga zwar noch keine Wunderdinge vollbracht, aber ein wenig fernöstliches Flair verströmt. Seine Auftritte locken in der Regel rund ein Dutzend japanischer Reporter zu den Heimspielen des VfL. Als Bochum jüngst in Yokohama zu einer Privatpartie antrat, fuhr Ono nicht mit dem Mannschaftsbus ins Stadion, sondern mit dem Auto – um schon vor dem Anpfiff eine Pressekonferenz zu geben. Und ein Leibwächter achtete darauf, dass die kickende Ikone unversehrt blieb. Die Bochumer hoffen nun, dass der Hype sich auf dem Rasen fortsetzt. Ono gilt allerdings als verletzungsanfällig.

Welche Taktik ist zu erwarten? Trainer Marcel Koller favorisiert ein 4-4-2 mit der Raute als Grundmuster. Aber auch eine Formation mit zwei Sechsern und zwei offensiven Kräften auf den Flügeln kommt in Betracht. Unabhängig von solchen Details herrscht im Mittelfeld großes Gedränge. Jede Position ist auf ansprechendem Niveau (mindestens) doppelt besetzt. Nicht einmal Ono als Regisseur ist konkurrenzlos. Ihm sitzt Mimoun Azaouagh im Nacken, der aber auch nach außen versetzt werden kann.

Wer hat das Sagen? Werner Altegoer, der Vorsitzende des Aufsichtsrates. Wer sonst? Erst vor ein paar Monaten hat er den Machtkampf mit Manager Stefan Kuntz gewonnen, der erst sein Günstling war, dann aber offenbar zu stark eigene Ideen verfolgte. Konkrete Gründe für die Trennung hat die Öffentlichkeit nicht erfahren. Die vakante Stelle im Vorstand bekam Thomas Ernst zugesprochen, der zuletzt beim aktuellen Zweitliga-Aufsteiger FSV Frankfurt gearbeitet hat. Als sogenannter Teammanager ist er dort nicht sonderlich aufgefallen. In Bochum wird Ernst versuchen, sein Profil zu schärfen. Das könnte schwierig werden – zwischen einem mächtigen Aufsichtsrat und einem mittlerweile starken Trainer.

Wie ist die Stimmung im Stadion? Bochum besitzt ein kleines, atmosphärisch dichtes Stadion. Obwohl es weniger als 32 000 Menschen fasst, ist es für gewöhnlich nur dreimal in der Saison ausverkauft – wenn die Bayern kommen oder die Nachbarn aus Gelsenkirchen und Dortmund. Der VfL hat nur 7500 Dauerkarten abgesetzt und belegt damit den vorletzten Rang.

Welche Platzierung ist zu erwarten? Die Testspiele haben eher Skepsis geweckt als überschäumende Vorfreude. In sieben Partien gegen Erstligavereine aus sieben verschiedenen Ländern gelang den Bochumern nicht ein einziger Sieg. Trainer Koller behauptet, in Bochum noch nie ein so gut besetztes Aufgebot zur Verfügung gehabt zu haben wie in diesem, seinem vierten Jahr. Ausnahmsweise brauchte der Klub keinen Leistungsträger abzugeben, sondern investierte etwa vier Millionen Euro in neue Spieler wie den Wunschtorwart Fernandes, den Heimkehrer Paul Freier, den österreichischen Nationalspieler Christian Fuchs und den zuvor ausgeliehenen Azaouagh. Das Ziel 45 Punkte plus x klingt dennoch gewagt. Innerhalb der unteren Tabellenhälfte scheint fast alles möglich.

Morgen: Karlsruher SC. Die gesamte Serie finden Sie im Internet unter: www.tagesspiegel.de/sport

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