VfL Bochum : Rücktritt, noch einer und noch einer

Beim Fußball-Zweitligisten VfL Bochum ist mit dem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Altegoer eine Ära zu Ende gegangen. Der langjährige Präsident des Revierclubs trat am späten Montagabend wie vier weitere Mitglieder des Gremiums in einer turbulenten Jahreshauptversammlung zurück.

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Werner Altegoer.
Werner Altegoer.Foto: dpa

Bochum - Mit Frank Goosen sollte alles ein wenig bunter und lebendiger werden beim VfL Bochum. Seit vielen Jahren begleitet der Romanautor und Kabarettist, der seinen Tourplan auf den Spielkalender des zuweilen eintönig wirkenden Revierklubs ausgerichtet hat, das Schicksal des VfL als leidenschaftlicher Fan. Doch als der 44-Jährige am Montagabend nun als neu gewähltes Aufsichtsratsmitglied des Klubs im Bochumer Kongresszentrum saß, erlebte der Funktionärs-Novize bei der Hauptversammlung des Vereins ein kunterbuntes Durcheinander. „Dieser Verein ist dabei, sich selbst um die Ohren zu fliegen“, sagte Goosen verdattert.

Goosen kam beim Zählen gar nicht mehr mit, als ein Aufsichtsratskollege nach dem anderen seinen Rücktritt erklärte. Am Ende waren es fünf – angefangen beim oft mürrischen, zuweilen herrischen Vereinspatron Werner Altegoer. Er war seit 2002 Chef des Gremiums, zuvor VfL-Präsident. Nachdem die 669 anwesenden Vereinsmitglieder dem Aufsichtsrat wegen der aktuellen sportlichen Krise auch im zweiten Anlauf die Entlastung verweigert hatten, erklärte er nach 30 Jahren Wirkens für den Klub: „Somit ist für mich die Arbeit für den VfL beendet.“

Verblüfft zurück blieb unter anderem Goosen, dem Altegoer zuvor einen Platz im Aufsichtsrat des Klubs angeboten hatte. Eine kleine Sensation – für viele Beobachter aber zugleich ein offensiver Zug, um den wohl prominentesten Kritiker des Vereins zumindest in der Öffentlichkeit freundlicher zu stimmen und ihn einzubinden. Es käme „zu wenig emotionales Futter vom Verein, sowohl aus der Mannschaft als auch aus der Führung“, hatte der Fan Goosen gerade noch öffentlich genörgelt. Am Montagabend dann hatte er genug Emotionen. „Ich bin überfordert“, gab er zu. Damit war er nicht allein.

Die Fans sind hochgradig verärgert. Ein Blick auf die Tabelle der Zweiten Liga nennt den Grund: Platz elf. Ein weiterer Abstieg ist möglich. Fünf Mal hat sich der VfL aus der Bundesliga verabschiedet, fünf Mal gelang der direkte Wiederaufstieg. In dieser Saison wird das ganz schwer. Denn nach dem Team schwächelt jetzt die Führung. Andreas Morbach

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