VfL Wolfsburg : Abschied vom Fußballvorort

Hertha und Wolfsburg verband lange Zeit viel, doch unter Felix Magath hat sich der VfL von Berlin emanzipiert. Beide Vereine kämpfen in dieser Saison um einen Uefa-Cup Platz. Beim Aufeinandertreffen am Samstag geht Wolfsburg als leichter Favorit in die Partie.

Claus Vetter
Simunic_Grafite
Herthas Josip Simunic (links) erläutert Wolfsburgs Grafite die Berliner Fußballschule. -Foto: dpa

Berlin - Es liegen keine Welten zwischen Berlin und Wolfsburg. Früher, da pendelten sogar Trainer wie Jürgen Röber oder Spieler wie Pablo Thiam zwischen Arbeitsplatz Wolfsburg und Wohnort Berlin. Wolfsburg war nicht mehr als Fußballvorort von Berlin: 1997 sind beide Vereine in die Bundesliga aufgestiegen. Für die Berliner ging es steil nach oben, Platz drei gab sogar im Jahr 1999. Zuletzt aber passierte weniger. Auch die Wolfsburger hatten sich in jüngsten Jahren eher so durchlaviert, bis dann in der Vorsaison ein erstaunlicher fünfter Platz herauskam. Es scheint so, als würden sich die Wege beider Klubs trennen, seit der trainierende Geschäftsführer Felix Magath beim VfL Wolfsburg das Sagen hat.

Es ist ein leiser Aufschwung, den Magath mit seiner Aufbauarbeit in Wolfsburg bereits hinter sich hat. In einem Jahr hat er über 20 Spieler ausgetauscht und so ganz nebenbei haben sich die Wolfsburger auch von Berlin emanzipiert. Denn bei wem es in Berlin nicht mehr klappte, der ging irgendwann nach Wolfsburg. Trainer Röber, Marcelinho, Alexander Madlung und Askan Dejagah haben diesen Weg hinter sich. Marcelinho ist inzwischen weg, Madlung sitzt auf der Bank und Dejagah ist immerhin ein zuverlässiger Einwechselspieler.

Favre mit Situation zufrieden

Natürlich ist auch Geld da in der Stadt, in der es vor allem Volkswagen gibt. Für über 20 Millionen Euro hat Magath die beiden italienischen Nationalspieler Cristian Zaccardo und Andrea Barzagli verpflichten dürfen. Sein Berliner Kollege beneidet den in Wolfsburg allmächtigen Magath allerdings nicht um seine Aufgabe. Seine Mission in Berlin finde er interessanter, sagt Lucien Favre. „Die Wolfsburger haben große Möglichkeiten. Aber bei uns geht es darum, dass wir aus unseren Möglichkeiten das Mögliche machen.“

Mit dem Schweizer Favre kam vor einer Saison das Versprechen einer besseren Fußballzukunft nach Berlin. Nach Platz zehn in der „Übergangssaison“ muss Favre sein Versprechen nun einlösen. Der beim FC Bayern München zuvor demontierte Magath ist da schon weiter gekommen. Trotzdem sieht er vor dem Duell am Sonnabend im Olympiastadion (15.30 Uhr) beide Mannschaften auf einem Level, Berlin und Wolfsburg seien Konkurrenten im Kampf um einen Platz im Europapokal. „Es geht am Samstag in Berlin nicht nur um drei Punkte“, sagt Magath. „Sondern es geht auch darum, einem direkten Konkurrenten keinen Vorsprung zu gewähren.“

Berlin und Wolfsburg auf Augenhöhe

Typisch Magath. Trocken, aber auch sehr entschlossen wirkt der Trainer mit dem sanften fränkischen Akzent. Er hat sich in Wolfsburg sein eigenes Reich aufgebaut, hat in der Geschäftsstelle und auf dem Platz das Sagen. Ein Modell nach englischem Vorbild, wo Trainer und Manager meist eine Person sind. Laut Magath ist es Erfolg versprechend. „Man hat keine Reibungsverluste, wenn alles in einer Hand liegt“, sagte er kürzlich.

Wie anders ist es da doch in Berlin bei Hertha. Da gibt es einen Manager, Dieter Hoeneß, einen Leiter der Lizenzspielerabteilung, Michael Preetz – ja, und einen Trainer, dem die Arbeit im Kollektiv Spaß macht. „Bei uns ist es eine Zusammenarbeit und die funktioniert auch gut“, sagt Favre. Nach drei Spieltagen funktionierte es in Berlin nur wenig schlechter als in Wolfsburg: Beide Klubs liegen nur zwei Tabellenplätze und einen Punkt auseinander. Und immerhin haben die Berliner am Sonnabend den Überraschungsmoment für sich: Andrej Woronin, erst am Donnerstag in Berlin gelandet, will spielen. „Ich bin fit, obwohl die Länderspielreise sehr anstrengend war“, sagt der vom FC Liverpool gekommene Ukrainer. Und Favre sagt: „Klar ist, dass wir ihn nicht für die Bank geholt haben.“

Wenn Woronin nicht die Erwartungen erfüllt bei Hertha, dann wird der Ukrainer übrigens wohl kaum nach Wolfsburg wechseln können. Die Zeiten sind vorbei, dass sich der VfL bei Hertha bediente. Die Zeiten, in denen zwischen Arbeitsplatz Wolfsburg und Wohnort Berlin gependelt wurde, übrigens auch – die Spieler müssen zumindest im engen Umkreis von Wolfsburg wohnen. Inzwischen liegen halt Fußballwelten zwischen Wolfsburg und Berlin – was die Mittel betrifft. In ihren Ambitionen ähneln sich beide Klubs.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben