VfL Wolfsburg : Das Ein-Mann-Konzept

Trainermanager Felix Magath krempelt den VfL Wolfsburg völlig um – mit offenem Ergebnis.

Christian Hönicke
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Die Mannschaft des VfL Wolfsburg. -Foto: ddp

Was hat sich verbessert?

Die VW-Millionen werden jetzt mit Konzept ausgegeben. Nach dem sportlichen Schlingerkurs der vergangenen Jahre inklusive Beinahe- Abstieg wurde mit dem früheren Bayern- Trainer Felix Magath ein Mann mit Visionen eingekauft. Er soll als Coach, Manager, Mitglied der Geschäftsführung und Jugendkoordinator die Abkehr vom gescheiterten Weg des schnellen Erfolgs hin zu einem langfristigen Projekt leiten. Seine Vorgabe: Aufbau einer Mannschaft aus Stars und dem eigenen Nachwuchs, um langfristig den Titel holen zu können.

Wer sind die Stars? Weiterhin vor allem Marcelinho. Der frühere Berliner spielt seit seiner Rückkehr in die Bundesliga stark und ist laut Magath „Dreh- und Angelpunkt unserer Offensive“. Der schon in der vergangenen Saison überdurchschnittlichen Abwehr wird der ehemalige Champions-League-Sieger Ricardo Costa (FC Porto) ein wenig Glanz und noch mehr Stabilität verleihen. Sonst hat Magath vor allem junge Perspektivspieler und Profis aus der zweiten Reihe verpflichtet. Die bislang zwölf Neuen sind also nicht zwangsläufig als sofortige Verstärkungen zu begreifen. So muss beispielsweise Magaths Wunschspieler Alexander Laas beweisen, dass er die 1,5 Millionen Euro Ablöse wert ist. Gleiches gilt für den bosnischen Stürmer Edin Dzeko, der vier Millionen Euro kostete. Dass er mit Sergiu Radu (Cottbus) das abgewanderte Sturmpaar Klimowicz/Hanke ersetzen soll, erscheint nicht unbedingt als großer Qualitätssprung. Sonst gibt es eigentlich nur noch einen Star, und der sitzt auf der Bank: Felix Magath.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Siehe „Wer hat das Sagen im Verein?“

Welche Taktik ist zu erwarten? Ein 4-4-2 oder ein 4-5-1, je nachdem, wie sich die Personalsituation im Angriff entwickelt. Das System mit nur einer Spitze ist auf Grund der größeren Substanz im Mittelfeld nicht unwahrscheinlich.

Wer hat das Sagen im Verein? Felix Magath. Niemand sonst im deutschen Berufsfußball besitzt eine derartige Handlungsfreiheit. Der 54-Jährige kann seine Vorstellungen als Coach und Manager in Personalunion ohne störende Gegenstimmen umsetzen und sich dabei der Unterstützung des VW-Konzerns sicher sein. Selbst die Kontrollmechanismen hat er unter (beschränkter) Kontrolle. Martin Winterkorn, als VW-Chef quasi oberster VfLer, pflegt ein enges persönliches Verhältnis zu ihm. Ernsthaft in Probleme geraten Winterkorn und der VfL nur, wenn Magath mit seiner Vision scheitert. Denn in diesem Fall wird der Manager den Trainer kaum entlassen. Und Magaths Konzept wäre unter anderer Leitung so kaum fortzuführen.

Wie ist die Stimmung im Stadion? Nach seiner Ankunft hat nicht nur Magath eine „Aufbruchstimmung“ registriert, die sich auch schon empirisch belegen lässt. Die Anzahl verkaufter Dauerkarten schnellte von 7500 auf die Wolfsburger Rekordmarke von bis jetzt 10 000. Es wird jedoch interessant zu sehen sein, ob das eher als zurückhaltend bekannte Publikum diese Euphorie auch noch im Falle der zu erwartenden Anlaufschwierigkeiten transportieren wird.

Welche Platzierung ist möglich? Vom oberen Mittelfeld bis zur Abstiegszone ist jedes Szenario denkbar. Nach den großspurigen Ankündigungen der Champions-League-Teilnahme in der Vergangenheit hat der Vorstand bewusst von einer Zielsetzung abgesehen. Er tut gut daran, denn das runderneuerte Team ist unberechenbar und hat in der Vorbereitung nicht wirklich geglänzt. Die erste Saison unter Magath wird eine Orientierungssaison. Sicher scheint nur eines: Für die Champions League wird sich der VfL wohl auch diesmal nicht qualifizieren.

Morgen: Eintracht Frankfurt. Die ganze Serie auf www.tagesspiegel.de/bundesliga

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