VfL Wolfsburg : Der Fluch der guten Meistertat

Der Freudentaumel scheint vorbei: Wie der VfL Wolfsburg um sein Personal kämpft.

Frank Hellmann
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Teurer Jubel. Wolfsburg bietet Dzeko mehr als drei Millionen Euro pro Jahr. Foto: dpa

Wolfsburg - Öfter mal was Neues: Die erste Meisterschaft für den VfL Wolfsburg bringt mit sich, dass die Bundesliga am 7. August im östlichen Niedersachsen eröffnet wird. Als Gegner kommt angeblich Felix Magath mit Schalke 04. Er würde seine komplette, von ihm zusammengestellte Meisterelf wiedersehen. So verspricht es jedenfalls VfL-Geschäftsführer Jürgen Marbach: „Alle Spieler sollen und werden bleiben. Wir treten gerade den Beweis an, dass der 1. FC Magath auch danach funktionsfähig ist.“

Fast über Nacht ist der frühere Touristikmanager zum Macher, Manager und öffentlichen Sprachrohr aufgestiegen. „Aber deshalb betrete ich kein Neuland“, sagt der 50-Jährige, „in Verträgen, die ich früher gemacht habe, ging es um viel größere Summen und viel mehr Arbeitsplätze.“ Teilweise werden den Angestellten der VfL Wolfsburg Fußball GmbH nach der Meisterschaft verdoppelte oder vervielfachte Bezüge angeboten. Marbach betrachtet das in Zeiten der Kurzarbeit im VW-Werk trotzdem als Notwendigkeit: „Die Spieler sind binnen 18 Monaten erheblich besser geworden, jetzt werden auch erheblich bessere Konditionen verlangt.“ Und dank der Alimentierung durch den Autobauer auch gezahlt. VW-Boss Martin Winterkorn hatte ja den feiernden Fans am Rathaus zugerufen: „Hier geht’s nächste Saison voll weiter!“

Eine Tatsache, die nun auch beim AC Mailand ankam. Das per Fax hinterlegte Interesse an Torjäger Edin Dzeko beantwortete Marbach mit einer höflichen Absage. Und Aufsichtsratsvize Stephan Grühsem, als VW-Kommunikationschef sonst eher auf vorsichtige Formulierungen bedacht, tönte: „Da kann der FC Galaktika kommen, wir geben Dzeko nicht her.“ Marbach sagt: „Der Ball liegt wieder in der Hälfte von Milan. Jetzt müssen die sich schon was abenteuerlich Gutes einfallen lassen.“

Das tun auch Wolfsburgs Würdenträger, die dem 23-Jährigen eine Offerte gemacht haben, die dem Bosnier ein Jahressalär von mehr als drei Millionen brächte. „Wir gehen bis an die Grenze der wirtschaftlichen Vernunft“, sagt Marbach. Es ist der Fluch der guten Meistertat.

Dzeko ist die mit Abstand heikelste Personalfrage. Mit Torschützenkönig Grafite, 30, geht es nur noch darum, ob der neue Vertrag bis 2012 oder 2013 ausgedehnt wird. Mit Josué oder Sascha Riether ist man sich einig, mit Christian Gentner fast. Klar ist auch, dass Thomas Kahlenberg, dänischer Nationalspieler aus Auxerre fürs offensive Mittelfeld, nicht der einzige Neuzugang bleibt. Priorität hat der von Neu-Trainer Armin Veh verlangte dritte Stürmer, „drei, vier Kandidaten gibt es“, sagt Marbach, „einer ist Hamburgs Mladen Petric, den wir noch nicht abgehakt haben.“ Frank Hellmann

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