VfL Wolfsburg : Der Meister behält alte Strukturen bei

Armin Veh setzt beim VfL Wolfsburg auch auf das Tun von Vorgänger Magath.

Christian Otto[Wolfsburg]
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Armin Veh

Die bohrenden Fragen über seinen Vorgänger nahm er gelassen hin. Selbst die Witze über die bei Felix Magath so beliebten Medizinbälle ärgerten ihn nicht. „Die Mythen rund um Magath können wir gut nutzen“, sagte Armin Veh, der gestern seine erste Trainingseinheit beim VfL Wolfsburg leitete. Zum Auftakt ließ der 48-Jährige die Spieler ein wenig laufen, dribbeln und tricksen, hielt sich auf dem Platz aber merklich zurück. „Ich will erst einmal alle Spieler kennenlernen, bevor wir den Kader verkleinern“, sagte Veh. Auf Ratschläge von Magath hat er bewusst verzichtet, es gab kein Übergabegespräch unter Kollegen. „Felix und ich verstehen uns gut. Aber ich habe meine eigene Philosophie“, sagte Veh selbstbewusst.

Der Neue ist schlau genug, sich nicht schon am ersten Arbeitstag zu großen Tönen verleiten zu lassen. Die Wolfsburger, so formulierte es der gebürtige Augsburger, möchten mit dem VfL gerne wieder oben dabei sein. Die Konstellation, die ihn nach seinem Rauswurf beim VfB Stuttgart aus der Arbeitslosigkeit befreit hat, brachte Veh ins Schmunzeln. Er sei seit 19 Jahren im Geschäft. „Meistens habe ich meine Mannschaften nach oben geführt, aber nie ganz oben übernommen“, sagte er. Veh soll wie Magath als Trainer, Sportdirektor und Manager wirken. Von den rund 500 Fans, die sich gestern am Mittellandkanal zur ersten Einheit des Deutschen Meisters eingefunden hatten, bekam er wohlwollenden Applaus. „Der erste Kontakt mit Herrn Veh war sehr angenehm. Ich glaube, das wird eine tolle Saison“, meinte auch Grafite. Der brasilianische Torschützenkönig stellte in Aussicht, dass er seinen bis 2011 gültigen Vertrag noch in dieser Woche verlängern will.

Dass in Wolfsburg schon wieder tüchtig geschwitzt wird, hat zwei Gründe. Veh hat die Planung der Saisonvorbereitung von Magath weitgehend übernommen und lässt die VfL-Spieler von heute an die Insel Sylt in Laufschuhen erkunden. Hinter den Kulissen wird fieberhaft daran gearbeitet, die wichtigsten Spieler aus der Meistersaison zu halten. Vor allem die immer neuen Schlagzeilen um einen möglichen Wechsel von Edin Dzeko zum AC Mailand sorgen für Unruhe. „Aber wenn ich sage, er bleibt, dann bleibt er auch hier“, meinte Veh. Schließlich sei Dzeko noch zwei Jahre vertraglich an Wolfsburg gebunden. Was in Verträgen steht und wie die Wirklichkeit aussieht, ist jedoch eine andere Geschichte. Veh räumte gestern ein, dass er aus arbeitsrechtlicher Sicht eigentlich noch gar nicht für den VfL arbeiten dürfte. Gleiches gilt für Magath, der offiziell, so steht es auch auf der Homepage der „Wölfe“, noch Geschäftsführer des VfL ist, aber gestern schon bei Schalke 04 zu bestaunen war. „Wir sehen das nicht so eng. Ich werde jedenfalls keine Rechnung nach Gelsenkirchen schicken“, meinte VfL-Geschäftsführer Jürgen Marbach und setzte ein meisterhaftes Lächeln auf.

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