VfL Wolfsburg : Der Meistertrainer: Felix Magath

Wie Trainer Felix Magath den VfL Wolfsburg in nur zwei Jahren vom Abstiegskandidaten zum Meister gemacht hat.

Christian Otto[Wolfsburg]
Magath
Meistertrainer Felix Magath.Foto: dpa

Wer die grün-weiße Jubelorgie verstehen will, die gestern das beschauliche Wolfsburg erfasst hat, muss ein paar Wochen zurückblicken und der Stille am Mittellandkanal lauschen. Die beschauliche Atmosphäre im früheren Zonenrandgebiet war das Fundament, auf dem die überraschende Meisterschaft des VfL Wolfsburg errichtet werden konnte. Das System Felix Magath, der den Verein als Alleinherrscher vom grauen Bundesligaklub in einen strahlenden Sieger verwandelt hat, funktioniert vor allem dort besonders gut, wo niemand ihn und seine Arbeit stört. Keine Vorgesetzten, die alles hinterfragen und besser wissen. Keine Boulevard-Reporter, die jede schlechte Nachricht richtig gut finden. Magath hat sein Ding gemacht, und alle sind ihm gefolgt.

Es sind die lernwilligen Profis, die den Traum von der Meisterschaft möglich machten. Marcel Schäfer und Christian Gentner sind unter ihm zu Nationalspielern gereift. Josué, der so unscheinbar agierende Brasilianer, ist eigentlich keine Führungspersönlichkeit und doch der Kapitän des Meisters. Weil er als fehlerloser Abräumer fungiert, der jede Order des Trainers bedingungslos ausführt. Was furchtbar machtbesessen klingt, ist vielmehr unverschämt professionell. Der Schachspieler Magath versteht es, die ihm zur Verfügung stehenden Figuren perfekt einzusetzen. Einen biederen Handwerker wie Sebastian Schindzielorz, eigentlich für die Amateurelf des VfL verpflichtet, hat er immer dann bei den Profis gebracht, wenn das Spiel eines fast übermächtigen Gegners zerstört werden musste. War der VfL Favorit gegen spielerisch minderbemittelte Teams, gehörte Schindzielorz nicht einmal zum Kader.

Solche Wechselspiele konnte Magath ohne Rücksicht vollziehen. Niemand regte sich auf, Ärger gab es selten. Und wenn doch, dann ließ Magath ihn selbstgefällig an sich abperlen. Nachdem sein Team nach einem schwachen Auftritt aus dem Uefa-Cup ausgeschieden war, ging es nicht um die Pleite des VfL, sondern um den Sieg des Gegners.

Sein Meisterstück hat Magath aber schon vor der Saison vollbracht. Er scheuchte seine Spieler, und die hatten eine erstaunliche physische Stärke und damit Selbstvertrauen. Er hat zudem die Stürmer Grafite und Edin Dzeko entdeckt. Und er besaß die Vision, dass die beiden vor allem dann perfekt harmonieren, wenn man sie machen lässt. Die Torjäger und ihr Zuarbeiter Zvjezdan Misimovic bildeten das kreative Kraftzentrum. Zudem waren die entscheidenden Spieler in Wolfsburg kaum verletzt. So eilte der VfL von einem Erfolg zum nächsten und konnte sich im entscheidenden Moment auf den einen Wettbewerb konzentrieren.

Rechts neben dem Haupteingang des VfL-Stadions verbirgt sich der Geräteraum. Hinter einer Glasscheibe sind vor Hütchen und Stangen die berühmten Medizinbälle gut sichtbar platziert. Fast alle in der Liga haben sich zwischendurch Witze über Magath, seine Methoden und die VW-Millionen erlaubt. Doch wenn seine zuweilen hochnäsigen Gegner Wolfsburg dann mit einer Niederlage verließen, trat Magath nicht nach. Er lächelte nur. Und ließ seine Mannschaft weiter punkten.

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