Sport : VfL Wolfsburg: Einsamer Wolf

Andreas Pahlmann

Die Reporter vom Radio und vom Fernsehen hatten gestern lange ausgeharrt. Am Ende mussten sie dann doch unverrichteter Dinge wieder das Vereinsgelände des VfL Wolfsburg verlassen. Die schöne Geschichte vom Trainer-Rauswurf am Geburtstag fand nicht statt. "Heute oder morgen wird es keine Entscheidung geben", sagte eine VfL-Sprecherin. Wolf, der gestern 44 Jahre alt wurde, war trotz der für ihn erst einmal erfreulichen Meldungen nicht in Feierlaune. Im Gegenteil. Seinen zuletzt erfolglosen Profis verordnete er eine zusätzliche Übungseinheit. Entgegen der ursprünglichen Planung werden die Profis auch am Dienstagmorgen trainieren.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Wolfgang Wolf bleibt also im Amt. Und das nach Lage der Dinge zumindest bis zum Heimspiel am kommenden Samstag gegen Kaiserslautern, auch wenn es voraussichtlich Mitte dieser Woche ein Gespräch zwischen den führenden Vertretern von Geschäftsführung und Aufsichtsrat des Vereins geben soll. Nach dem Spiel gegen Kaiserslautern aber macht die Bundesliga erst einmal zwei Wochen Pause. Das heißt: Die Verantwortlichen der Volkswagen-Tochter VfL-Fußball-GmbH hätten dann mehr Ruhe und mehr Zeit für einen Trainerwechsel. Das sagt natürlich niemand so. Aber Wolf muss befürchten, dass die entscheidenden Personen es so sehen. Seine Lage schätzt der Trainer, der seit März 1998 das Sagen hat, realistisch ein. Seien die Partien bisher "schon richtungweisend gewesen", so werde das Spiel gegen Lautern nun zu einem "echten Knackpunkt". Auch für ihn? "Was soll ich dazu sagen? Langsam ist mir das Thema zu blöd. Ich lasse mich nicht unter Druck setzen."

Also Kaiserslautern. Ausgerechnet. Der Klub, für den Wolf 248 Mal in der Bundesliga verteidigt hat, spielt für ihn wieder mal Schicksal. 1998, ein halbes Jahr, nachdem er sein Amt angetreten hatte, stand er das erste Mal auf der Kippe. Ein 1:1 auf dem Betzenberg rettete ihm erst den Job und war dann der Beginn einer Serie, die den VfL auf einen Uefa-Cup-Platz führte. Ein Jahr später sah es ähnlich aus: Wieder wackelte Wolf, wieder brachte ein Punkt in der Pfalz die Rettung. Den Spielen im Fritz-Walter-Stadion waren jeweils Krisen-Trainingslager voraus gegangen. Diesmal gab es das Trainingslager vor dem Spiel bei 1860 München - ohne Erfolg. Der VfL verlor 1:2.

"Was hilft es, wenn ich jetzt sage, dass ich überzeugt bin, dass uns das Trainingslager weiter gebracht hat? Wer verliert, hat wenig Argumente. Aber die Mannschaft ist enger zusammengerückt, zwischen den neuen und den alten Spielern ist die Lücke nicht mehr so groß", sagte Wolf. Dafür wächst die Lücke zum Tabellenmittelfeld. Sieben Spiele, kein Sieg, nur drei Punkte, mehr Gegentore (15) als jeder andere Bundesligist. Da kommt die Trainerfrage von ganz allein.

Als Manager Peter Pander unmittelbar nach der Niederlage am Sonntag in München ankündigte, "wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen", klang das arg nach Trainerdämmerung. Er vermied es konsequent, dem Trainer zumindest eine weitere Frist bis zur schweren Heimbegegnung am kommenden Samstag gegen Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern einzuräumen. "Kaiserslautern ist weit weg. Mich interessiert nur, wie wir dieses Spiel aufarbeiten", sagte Pander. Die Analyse dürfte unerfreulich ausfallen, obwohl Pander nach den Toren von Daniel Borimirow und Martin Max für die Münchner sowie dem Treffer zum 1:1 durch Mannschaftskapitän Charles Akonnor wenigstens "keine Sechs wie letzte Woche" beim 0:2 zu Hause gegen Stuttgart geben wollte.

Wolfgang Heitmann, Vizepräsident im Aufsichtsrat der VfL-GmbH, gab fast zeitgleich ein paar hundert Kilometer weiter nördlich eine andere Richtung vor: "Ich habe mich letzte Woche für Wolf ausgesprochen", sagte er in einem Interview mit der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung", "und ich werde mich auch jetzt für Wolf aussprechen." Dessen Freude über die Rückendeckung von oben hielt sich allerdings in Grenzen. "Noch mehr freuen würde ich mich, wenn ich das Vertrauen mal mit drei Punkten zurückzahlen könnte", sagte Wolf, ehe er versuchte, seinen Geburtstag etwas zu feiern. "Es ist ganz gut, jetzt vielleicht mal nicht nur Fußball im Kopf zu haben. Und dass ich mir an meinem Geburtstag auch mal ein Gläschen gönne, kann mir niemand verwehren."

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