VfL Wolfsburg : "Junior Malanda wird immer bei uns sein"

Nach dem Tod von Junior Malanda dokumentieren Verantwortliche, Spieler und Fans ihre Betroffenheit über das Unglück. Der VfL Wolfsburg steht nun vor der Herausforderung, sich trotz der Tragödie auf die Bundesliga-Rückrunde vorbereiten zu müssen.

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Beileidsbekundungen am Tag nach dem Unfalltod von Wolfsburgs Profi Junior Malanda. Foto: dpa
Beileidsbekundungen am Tag nach dem Unfalltod von Wolfsburgs Profi Junior Malanda.Foto: dpa

Zwischen all den Kerzen, die von Fans vor dem Vip-Bereich abgestellt worden sind, lag ein A4-Zettel. Er trug die Aufschrift: „Wir kannten Dich nur als Spieler, nicht als Menschen.“ Unter die Trauer um Fußballprofi Junior Malanda, der am Samstagnachmittag bei einem Verkehrsunfall auf der A2 tödlich verunglückt war, mischt sich große Fassungslosigkeit. Spieler, Fans und Verantwortliche des VfL Wolfsburg müssen die schockierende Nachricht verarbeiten, dass sie einen lebenslustigen Mitmenschen verloren haben, von dem sie noch so viel wissen wollten. Der 20 Jahre alte Malanda war belgischer Junioren-Nationalspieler und fest in den Profikader des VfL integriert. Er war auf dem Weg zum Flughafen in Braunschweig verunglückt, von wo aus die Wolfsburger Mannschaft ins Trainingslager nach Südafrika fliegen wollte. Schweren Herzens ist das Team am Sonntagabend dorthin aufgebrochen.

Der Versuch, die schlimme Nachricht zu erklären, gelang Dieter Hecking nur bedingt. Der Wolfsburger Chefcoach brach ins Tränen aus, als er begann, den Tod von Malanda in Worte zu fassen. „Es fällt mir nicht leicht. Junior ist nicht mehr bei uns“, sagte Hecking über den Profi, dem von allen Seiten eine große Karriere prophezeit worden war. Der Trainer und sein Team sind in Wolfsburg bereits von Seelsorgern betreut worden. Der Verein wird seinen Angestellten in Südafrika zudem professionelle Hilfe zur Seite stellen, damit sie den Verlust besser verarbeiten können. „Die Öffentlichkeit wird sehen wollen, wie wir damit umgehen“, befürchtet Hecking. Er steht vor der schweren Aufgabe, die Profis auf den Rückrundenstart am 30. Januar gegen Bayern München vorzubereiten.

Auf dem Weg dahin entflieht er zumindest den Nachfragen zu der Tragödie, die sich in der Nähe von Porta Westfalica abgespielt hat. Malanda war Insasse eines sportlichen Autos, das bei stürmischem Wetter und starkem Regen ins Schleudern gekommen war. Auch der Verteidiger Anthony D’Alberto vom RSC Anderlecht saß im Wagen; er wurde schwer verletzt, ist aber außer Lebensgefahr. Für Malanda, der auf dem Rücksitz saß, kam jede Hilfe zu spät. „Wir sind alle zutiefst bestürzt und können unsere Trauer nicht in Worte fassen“, sagte Klaus Allofs. Der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg versuchte zu erklären, was nur schwer zu fassen ist. Mannschaft und Verein müssen sich möglichst professionell der Rückrunde der Bundesliga annähern – so schwer es auch angesichts der Umstände fallen mag..

Malanda galt als sehr lebensfroh, war immer für einen Spaß zu haben

Die weltweite Anteilnahme für Malanda belegt aufs Neue: Fußballprofis haben einen besonderen Status und leben kein normales Leben. Sie werden schon im Führerscheinalter ins Rampenlicht gezerrt und verdienen unverschämt viel Geld. Die meisten von ihnen führen ein Leben auf der Überholspur.

Malanda galt als sehr lebensfroh, war immer für einen Spaß zu haben und konnte selbst über Rückschläge herzhaft lachen. Im ersten Spiel der Saison, als der Gegner Bayern München hieß, verstolperte der Belgier eine große Torchance und wurde dafür bundesweit verspottet. Er hatte die besondere Gabe, sich davon nicht irritieren zu lassen und trotzdem zu lächeln. „Junior war ein Strahlemann, ein Lebemann. Ein Kraftprotz, den man in die Arme nehmen und drücken konnte“, sagte Allofs. Er mischte sich am Sonntag unter jene Fans, die Kerzen, Schals, Briefe und Botschaften vor dem Wolfsburger Stadion ablegten und mit einem Trauermarsch rund um die Arena ihre Bestürzung dokumentierten.

Wann die Beerdigung von Malanda ansteht, darüber werden auch die Ermittlungen der Polizei entscheiden. Der Belgier soll während des Unfalls aus dem Wagen geschleudert worden sein, so dass untersucht werden muss, ob er angeschnallt war. Unangenehme Fragen wie diese werden den VfL Wolfsburg noch eine ganze Weile begleiten. Die Entscheidung des Vereins, nicht gleich zur Tagesordnung überzugehen und doch mit nur einem Tag Verspätung die geplante Reise ins Trainingslager aufzubrechen, ist keinem der Beteiligten leicht gefallen. Wann Malanda beigesetzt wird, bleibt offen. „Wir werden auf alle Fälle dabei sein“, versprach VfL-Boss Allofs, „wir werden das Trainingslager darauf ausrichten.“

Allofs hatte den Spielern die schlimme Nachricht überbringen müssen. Er bezeichnete den Zustand der Mannschaft als „fürchterlich“ und „schwer geschockt“. Mehrere Spieler hatten am Tag des Unfalls noch telefonischen Kontakt zu Malanda gehabt. Die Mehrheit der Wolfsburger Profis versuchte, die erste Trauer mit Hilfe der sozialen Netzwerke im Internet zu verarbeiten. „Ich habe einen großen Freund verloren. Ruhe in Frieden, du wirst immer bei uns sein“, schrieb etwa Malandas Landsmann Kevin de Bruyne in einer Twitter-Nachricht.

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