Video : Paralympics: Keine Chance für arme Länder

Eigentlich sollten die Paralympics ein Fest der Chancengleichheit sein, doch wer hier siegen will, braucht eine teure Ausrüstung und gute Trainingsbedingungen – Behindertensportler aus Ländern wie Kambodscha müssen da passen

Paralympics: Keine Chance für arme Länder
Paralympics: Keine Chance für arme Länder

Thin Seng Hon ist Kambodschas einzige Teilnehmerin bei den Paralympics in London. Sie hat eine Wildcard bekommen - eine Einladung für Athleten aus ärmeren Ländern, die sich nicht qualifiziert haben. Dabei gibt es in Kambodscha reichlich behinderte Sportler. Das asiatische Land hält einen traurigen Rekord: Es hat den weltweit größten Anteil von Amputierten in der Bevölkerung - vor allem wegen der vielen Landminenopfer. Doch für einen Auftritt bei den Paralympics fehlen Geld, Sportstätten und das richtige Material. Phay Sok, Trainer von Thin Seng Hon: "Wir haben nicht genug Ausrüstung. Selbst ihre Beinprothese ist anders als die der anderen. Es ist nicht gerade die beste. Andere Länder haben die besten Beine im Wert von zehntausenden Dollar."

Thin nennt ihre Unterschenkelprothese ihr "Glücksbein". Bezahlt wurde es mit Spenden von Freunden. Es hat umgerechnet nur 2500 Dollar gekostet - aber selbst das sind in Kambodscha noch drei Jahresgehälter. Zumindest kann sie sich in London auf Weltniveau messen. Van Vun dagegen hat eine Wildcard knapp verpasst: "Wenn wir nicht teilnehmen können, werden wir nie wissen, wie es die Athleten aus den großen Ländern machen." Die Organisatoren der Spiele haben nach eigenen Angaben einfach nicht genug Wildcards, um die riesige Nachfrage zu befriedigen. Es gab tausende Anfragen, aber nur 61 Wildcards für 50 Länder.

Insgesamt kommen mehr als 4000 Athleten aus 166 Ländern zu den bislang größten Paralympics nach London. Ein Paralympics-Sieg, das weiß Thin, ist für sie wohl nicht drin. Aber sie will eine neue persönliche Bestzeit sprinten. Auftrumpfen will sie dann wieder nächstes Jahr bei den Südostasien-Spielen in Birma - da gibt es weniger Rivalinnen aus reichen Ländern mit besseren Beinen.

(afp)

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