Video : Rogge lobt London Olympia

Zum Abschied hat sich der scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge selbst beschenkt: mit den heiteren Sommertagen von London.

von

Tief unter der Erde hat Jacques Rogge am besten erlebt, was diese Olympischen Spiele verändert haben. „Die Spiele haben ihr Ziel erreicht, wenn sich die Menschen in London in der U-Bahn miteinander unterhalten. Das tun sie nämlich sonst nicht“, sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Dass Olympia das Schweigen unter Tage gebrochen hat und zum Gesprächsthema wurde, das ist ihm erzählt worden und einmal hat er es auch selbst erfahren, als er mit Sebastian Coe U-Bahn fuhr, dem Organisationschef der Londoner Spiele.

Neben Coe saß Rogge auch am Sonntag, als er seine Bilanz der Spiele zog. „Ich bin ein glücklicher und dankbarer Mann“, sagte Rogge. Coe und London haben ihm mit diesen Spielen ein schönes Abschiedsgeschenk gemacht, es waren Rogges letzte Spiele als IOC-Präsident. Wenn 2014 im russischen Winter die Spiele in Sotschi stattfinden, wird schon sein Nachfolger die Verantwortung tragen für vielleicht gelungene Spiele, vielleicht aber auch den nächsten Versuch eines Staates, die Olympischen Spiele nach eigenen Vorstellungen zurechtzubiegen.

In London hat Rogge dagegen noch einmal die erwartet gelungenen Spiele gesehen. „Sebastian Coe hatte versprochen, dass es Spiele für die Athleten werden – es sind Spiele für die Athleten geworden.“ Und damit Spiele im Sinne von Jacques Rogge, der selbst dreimal als Segler an Olympischen Spielen teilgenommen hatte. Als er nach seinem olympischen Moment gefragt wurde, entschied sich der 70-Jährige nicht für einen sondern für zwei: Den Weltrekordlauf des Kenianers David Rudisha „das war Schönheit in Aktion“, und „die Tränen von Chris Hoy“, der britische Bahnradfahrer hatte in London seine sechste olympische Goldmedaille gewonnen.

Zu einem symbolischen Erfolg dieser Spiele hatte Rogge selbst beigetragen, als er Saudi-Arabien überzeugen konnte, zum ersten Mal auch Athletinnen zu den Spielen zu schicken, als letztes Land hatte sich Saudi-Arabien dem bisher immer verweigert. „Das war ein wichtiges Zeichen. Es öffnet die Tür für mehr“, sagte Rogge. Er habe es tatsächlich geschafft, alle 26 Sportarten zu besuchen, erzählte Rogge. In London gab es im Gegensatz zu Peking kaum politische Nebenschauplätze. In Peking noch wirkte Rogge blass und machtlos, diesmal fühlte er sich sichtlich wohler und redete am Abschlusstag mehr über Menschenrechte, als er es vor vier Jahren getan hatte. „Das IOC wird immer dann das Gespräch suchen, wenn Menschenrechte bei der Ausrichtung der Spiele betroffen sind, etwa die Arbeitsbedingungen beim Bau der Sportanlagen oder Arbeit von Kindern bei der Produktion von Sportausrüstung.“

Im September 2013 wird in Buenos Aires sein Nachfolger gewählt, ein Vermächtnis hat der Belgier noch nicht ausformuliert. Er blieb allgemein, als er über die Ziele des IOC und des nächsten Präsidenten reden sollte: Kampf gegen Doping, Kampf gegen Manipulation und die Olympischen Jugendspiele sind ihm wichtig, weil sie junge Menschen an die olympische Bewegung heranführten.

Dieser Bewegung hat Rogge nach der Ära des Spaniers Juan Antonio Samaranch in seiner Person Glaubwürdigkeit zurückgegeben. Den Einfluss, den er besitzt, nutzte er meistens hinter verschlossenen Türen. In London gab es zum Glück für ihn nicht viele Konflikte. Auch deshalb könnten es Rogges Lieblingsspiele als Präsident gewesen sein.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben