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Videobeweis gegen die Berliner : Hertha BSC verliert 0:1 in Mainz

Assist aus Köln: Hertha BSC verliert 0:1, weil der Video-Assistent auf Elfmeter für Mainz plädiert. Zudem sieht Vedad Ibisevic die Rote Karte

Kein Tor von Mathew Leckie (r.), kein Sieg für Hertha BSC. Foto: picture alliance / Thomas Frey/d
Kein Tor von Mathew Leckie (r.), kein Sieg für Hertha BSC.Foto: picture alliance / Thomas Frey/d

Rune Jarstein hämmerte mit den Fäusten auf den Rasen. Frust und Wut mussten raus. Frust, weil der Torhüter von Hertha BSC zwar seine Fingerspitzen noch an den Ball bekommen hatte, den Elfmeter von Pablo de Blasis aber nicht mehr entscheidend zur Seite abwehren konnte. Wut, weil es den Elfmeter für den FSV Mainz 05 erst nach Intervention des Videoassistenten gegeben hatte. Schiedsrichter Tobias Stieler hatte sich sogar an die Seitenlinie begeben, um die Szene auf dem Monitor selbst in Augenschein zu nehmen. Er erkannte, zum Ärger der Berliner, einen strafbaren Bodycheck von Karim Rekik am Mainzer Yoshinori Muto. Es war die spielentscheidende Szene. De Blasis traf früh in der zweiten Hälfte zum 1:0 (0:0)-Endstand.

Auf den Tribünen in Mainz war am Samstagnachmittag viel Rot zu sehen. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil die Vereinsfarben des FSV Mainz 05 Rot und Weiß sind; allerdings lag es im konkreten Fall daran, dass viele der roten Sitze in der Arena nicht besetzt waren. Nach der ersten Halbzeit im Spiel zwischen den Mainzern und Hertha BSC bekam man auch eine Idee, warum das so ist. Berauschenden Fußball bekamen die 23.517 Zuschauer nicht zu sehen.

Herthas Trainer Pal Dardai hatte diesmal – im fünften Spiel der vergangenen 14 Tage – behutsam rotiert. Nur zwei Veränderungen nahm der Ungar vor. Niklas Stark und Vladimir Darida mussten auf die Ersatzbank, dafür kehrten Sebastian Langkamp und Fabian Lustenberger in die Startelf zurück. Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz hatte seine Mannschaft nach der unglücklichen 2:3-Heimniederlage gegen Hoffenheim unter der Woche massiv verändert, insgesamt fünf Neue in die Anfangsformation beordert.

Das Spiel des Tabellenfünfzehnten sah dann auch genau danach aus: nach dem Spiel einer Mannschaft, die völlig neu zusammengewürfelt ist. Vieles schien dem Zufall geschuldet, alle Offensivbemühungen versandeten schon im Mittelfeld. Hertha wirkte etwas besser organisiert, glänzte aber auch nicht gerade durch ein stringentes Angriffsspiel, so dass die Attraktivität der Darbietung recht überschaubar war.

Die beiden Torhüter Rune Jarstein und René Adler bekamen in der ersten Hälfte keinen einzigen Ball aufs Tor. Und so musste man sich schon an den Situationen erfreuen, die gefährlich hätten werden können. So als Jean-Philippe Gbamin den Ball als letzter Mann der Mainzer nicht unter Kontrolle bekam, Salomon Kalou dazwischen ging, Adler aber aufpasste und noch klären konnte. Auf der anderen Seite grätschte Langkamp genau im richtigen Moment in einen Steilpass. Hätte er seinen Fuß nicht noch an den Ball bekommen, hätten gleich zwei Mainzer frei auf Jarstein zulaufen können. Am nächsten kam der Japaner Yoshinori Muto dem Tor der Berliner. Sein Kopfball flog allerdings mehrere Meter am Pfosten vorbei.

Rote Karte: Ibisevic spricht von einem Missverständnis

Nach der Pause wurde es etwas munterer. Schon in der 50. Minute durften die Zuschauer den ersten Schuss aufs Tor bewundern. Nach einer Flanke von Giulio Donati kam Fabian Frei an Herthas Fünfmeterraum unbehelligt zum Kopfball. Der Schweizer legte allerdings zu wenig Wucht in seinen Versuch, so dass Jarstein keine Mühe hatte, den Ball zu fangen. Vier Minuten später war der Norweger dann machtlos gegen de Blasis’ platziert getretenen Elfmeter. Dessen Entstehung dürfte weitere Diskussionen um den Videobeweis nach sich ziehen. Die Berliner protestierten heftig. Rekik sah sogar Gelb. Verwarnt aber wurde auch Mouto – weil der beim Schiedsrichter die Ansicht der Videobilder angemahnt hatte.

Hertha musste seine Defensivhaltung nun aufgeben. Dardai brachte den etwas offensiveren Darida für Per Skjelbred, dazu später auch noch Alexander Esswein und Valentin Stocker. Doch die Berliner taten sich schwer mit den nun tief stehenden Mainzern. Trotzdem hatte Hertha die Chance zum Ausgleich. Nach einem schnittigen Pass von Mitchell Weiser stand Ibisevic frei vor dem Tor, doch der Kapitän, nun saisonübergreifend seit zehn Spielen ohne Bundesligator, setzte den Ball mit dem linken Fuß recht deutlich am Pfosten vorbei. Da war die Hälfte der zweiten Halbzeit bereits rum.

Es dauerte sogar bis zur 82. Minute, ehe der Mainzer Torhüter Adler erstmals einen Ball abwehren musste. Nach einem Distanzschuss von Stocker streckte er sich und erwischte den Ball noch mit den Fingerspitzen. Die Schlussoffensive der Gäste wurde noch zusätzlich erschwert, weil Ibisevic in letzter Minute Rot sah. Der Schiedsrichter fühlte sich beleidigt, Ibisevic hingegen sagte im Interview mit Sky, Stieler habe ihn missverstanden. Er habe lediglich gesagt, dass er es schlecht finde, wenn er in der Nachspielzeit wegen einer Platzwunde am Kopf außerhalb des Spielfelds behandelt werde. (Tsp)

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