Sport : Viel Arbeit in der Grauzone

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Zur Erinnerung: Der 1. FC Nürnberg ist einer von 18 Erstliga-Fußballklubs. Als Arbeitsplatz sollte er deshalb etwas Besonderes sein – für fast jeden Trainer. Eigentlich. Die aktuelle Trainersuche allerdings lässt die Frage zu, was der Standort Nürnberg wert ist. Zwei Wochen lang drängte sich der Eindruck auf: Keiner will zum FCN. Jetzt wird Gertjan Verbeek Trainer. Ein Niederländer, dem der Ruf vorauseilt, aus wenig viel zu machen zu können. Damit ist er in Nürnberg richtig.

Bert van Marwijk ging lieber zum chaotischen HSV. Der Schweizer Christian Gross verhandelte, als ginge es um Schmerzensgeld. Österreichs Noch-Nationalcoach Marcel Koller wollte Bedenkzeit, um bessere Angebote abzuwarten. In Österreich witzelte der Verbandschef großspurig, kein Trainer mit Ambitionen müsse sich ernsthaft zwischen Österreich und dem kleinen Nürnberg entscheiden. Das klang reichlich arrogant, aber ganz daneben scheint die Meinung nicht. Es ist viel entstanden in Franken in den vergangenen Jahren. Trotzdem hinkt der Verein, der viel Tradition zu bieten hat, einem großen Teil der Branche hinterher.

Der FCN ist arbeitsintensiv, ohne Erfolgsgarantie zu bieten. Die Geldquellen sind beschränkt, der Weg zu einem reinen Fußballstadion, das mehr Einnahmen verspricht, noch weit. Das Ziel kann momentan nur sein, sich mit Perspektive nach oben im Mittelbau der Liga zu etablieren und nicht abzusteigen. Das klingt mehr nach Basisarbeit in der Grauzone denn nach Profifußball im Scheinwerferlicht. Dafür muss sich in Nürnberg keiner schämen. Im Gegenteil. Für Gertjan Verbeek, so spekulieren manche, könnte der Club zum Sprungbrett auf die europäische Bühne werden. Das scheint dem in Deutschland weitgehend unbekannten Niederländer verlockend genug.

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