Sport : Viel Geld, wenig Ehre

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Stefan Hermanns über den neuen Wert des Ligapokals

Wenn der Ligapokal der Deutschen FußballLiga (DFL) ein Kind wäre, dann wäre er der etwas dickliche Außenseiter aus der Grundschulklasse, der, mit dem niemand spielen will, obwohl er immer die teuersten Turnschuhe trägt und in der Schulpause keine lappigen Wurstbrote auspackt, sondern stets die leckersten Schokoriegel dabei hat. Eigentlich macht der Ligapokal alles richtig, und doch wird er nicht ernst genommen.

Hertha BSC hat den Pokal zuletzt zweimal gewonnen, trotzdem haben die Berliner ein gespaltenes Verhältnis zu diesem Wettbewerb, der in erster Linie dazu erfunden wurde, um den langen Sommer zu überbrücken. Der Sieg im Ligapokal war wie ein Versprechen auf eine große Saison, aber beide Male konnte Hertha dieses Versprechen nicht einlösen. Statt Meister zu werden, reichte es nur für den Uefa-Cup, und viele Fans hoffen aus dieser Erfahrung, dass Hertha dieses Mal schon frühzeitig scheitert. Aber so zu denken ist Blödsinn.

Es kommt ja nicht von ungefähr, dass die DFL den Pokal vor ein paar Monaten zu einem ernst zu nehmenden Wettbewerb ausbauen wollte, um auf diese Weise von den Fernsehanstalten neues Geld für die darbenden Vereine einzuholen. Das ist der eigentliche Sinn des Ligapokals: Es geht nicht um die Ehre – der Ligapokal erfüllt einen rein wirtschaftlichen Zweck. 255 000 Euro erhält jeder Teilnehmer, der Sieger knapp 1,3 Millionen. Das ist eine stattliche Summe, wenn man bedenkt, dass die Einnahmen aus dem Uefa-Cup in den ersten drei Runden gerade mal die Reisekosten decken, wenn überhaupt. In Zeiten der Krise ist das Geld aus dem Ligapokal so wichtig wie nie zuvor.

Früher sind wir auch immer zu den Kindergeburtstagen der dicklichen Außenseiter gegangen, weil wir wussten, dass dessen Eltern sich für ihr verzogenes Söhnchen immer etwas Besonderes würden einfallen lassen. Am nächsten Morgen haben wir den Gastgeber dann natürlich wieder ignoriert.

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