Sport : Viel Glück und keine Ausreden mehr

Deutschland gegen Costa Rica, Polen und Ekuador

Stefan Hermanns[Leipzig]

Das Wertvollste des Abends hielt plötzlich Gerhard Mayer-Vorfelder in seinen Händen – den WM-Pokal. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nahm den Pokal von Fifa-Präsident Sepp Blatter entgegen – bis zur Entscheidung über die Weltmeisterschaft 2006. „Wir werden alles daransetzen, dass er vier Jahre bei uns bleibt“, sagte Mayer-Vorfelder vor den 4000 anwesenden Gästen in der Halle 1 der Leipziger Messe.

Michael Ballack, der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, nahm in der ersten Reihe Platz und lächelte, als er sah, wie Costa Rica, Polen und Ekuador in die deutsche Gruppe gelost wurden. Er war der einzige Spieler aus der Mannschaft des Gastgeberlandes, der in Leipzig anwesend war. Ballack präsentierte den neuen Spielball „Teamgeist“. Neben ihm saßen der 54er Weltmeister Horst Eckel und Leipzigs ehemaliger Oberbürgermeister und heutiger Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Jürgen Klinsmann, der weiter hinten in einer Reihe mit seinem Assistenten Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff saß, war eine gewisse Anspannung während der Auslosung anzusehen. „Wir sind guten Mutes“, sagte der Bundestrainer, „wir haben eine junge und sehr selbstbewusste Mannschaft – wir wollen was reißen.“ Vor Beginn der Auslosung hatte er Pelé in einen Plausch verwickelt.

Den Brasilianern geht Deutschland bis zum Halbfinale aus dem Weg, aber bereits im Achtelfinale könnte die DFB-Elf auf England treffen, und im Viertelfinale könnte Argentinien der Gegner heißen. Dass die Deutschen die Vorrunde überstehen, darüber herrschte bei fast allen Befragten Übereinstimmung. „Wir sind gut weggekommen. Wenn ich die anderen Gruppen sehe, wo es richtig geballert hat, da haben wir doch wieder etwas Losglück gehabt. Unsere Mannschaft hat eine sehr gute Chance, in das Achtelfinale zu kommen“, sagte Theo Zwanziger, Geschäftsführender DFB-Präsident. Und Herthas Manager Dieter Hoeneß fügte hinzu: „Es hätte schlimmer kommen können. Ohne überheblich zu sein – da kommen wir weiter.“

Mit Costa Rica, Polen und Ekuador erhielt Klinsmanns Mannschaft durchweg lösbare Aufgaben für die Vorrunde. Mit einem Lächeln quittierte Günter Netzer die Namen der drei Gegner. „Es gibt keine Entschuldigung für ein eventuelles Ausscheiden in dieser Gruppe. Es sollte kein Problem sein, in dieser Gruppe zu bestehen. Polen ist allerdings eine äußerst starke Mannschaft, gegen die ganz hart zu spielen ist“, sagte der 74er Weltmeister. „Ich wünsche mir für die Vorrunde neun Punkte“, sagte Stefan Effenberg. Teammanager Oliver Bierhoff drückte sich etwas vorsichtiger aus: „Wir haben wie 2002 eine Chance, gut ins Turnier zu starten, aber wir müssen aufpassen und dürfen auch Costa Rica nicht unterschätzen. Wenn man die Chance hat, mit einem Sieg ins Turnier zu starten, könnte das gut fürs Selbstbewusstsein sein.“

Boris Becker, der in Reihe zwei saß, war völlig aus dem Häuschen: „Wenn ich mir drei hätte aussuchen können, dann diese drei. Ich denke, Klinsmann schläft heute Nacht bestimmt etwas ruhiger.“

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