Sport : Viel Lärm um nichts

Raketen und Popsongs zur Unterhaltung – aber Hertha verliert ohne inneres Feuer gegen Dortmund 0:1

Michael Rosentritt

Berlin - Im Kabinengang standen die Spieler in einer Wolke aus Kunstnebel, und auf der blauen Laufbahn sprühten Fontänen Feuer aus. Der Einlauf der Mannschaften von Hertha BSC und Borussia Dortmund vor dem Bundesligaspiel gestern Abend erinnerte an den Einmarsch von Boxkämpfern. Zehn Minuten vor Spielbeginn war im Olympiastadion das neue Flutlicht ausgeschaltet worden. Als die Mannschaftsaufstellung der Berliner verlesen wurde, stiegen bei jeder Namensnennung Raketen in den Himmel. Und Schlagersänger Frank Zander stimmte mit den 48 428 Fans im Stadion die inoffizielle Vereinshymne an.

Es war Herthas erstes Heimspiel unter Flutlicht, seit der Umbau des Olympiastadions abgeschlossen wurde. Und das wollten die Berliner feiern. Das Spiel passte allerdings nicht zu der Feierstimmung. Hertha verlor verdient mit 0:1 (0:1) und rutschte damit zunächst auf den 10. Tabellenplatz ab. Es war die erste Heimniederlage für Hertha BSC seit acht Monaten.

Dabei empfingen die Berliner einen Gegner, an den sie eigentlich gute Erinnerungen haben. Im vergangenen Mai gewann Hertha BSC am 32. Spieltag 6:2 gegen die Dortmunder und holte drei wichtige Punkte gegen den drohenden Abstieg. Damals hatte es zur Halbzeit schon 3:0 für die Berliner gestanden.

Auch gestern begann das Spiel gleich mit zwei Torchancen. Schon nach zwei Minuten kam Dortmunds Stürmer Jan Koller zum Schuss, zielte aber über das Tor. Auf der Gegenseite traf Herthas Fredi Bobic nach Anspiel von Arne Friedrich nur den Pfosten. Nach dem guten Beginn wurde die Begegnung schwächer. Borussia Dortmund war aber ballsicherer und zeigte eine deutlich bessere Leistung als noch beim enttäuschenden 0:2 im Heimspiel gegen den Hamburger SV am vergangenen Samstag.

Die spektakulärste Aktion der ersten Halbzeit hatten die Berliner. Fredi Bobic traf mit einem sehenswerten Fallrückzieher aber nur den Pfosten. Nur wenig später war wieder Bobic an einer Torchance beteiligt. Nach Doppelpass mit Marcelinho konnte der herausgelaufene BVB-Torhüter Roman Weidenfeller in letzter Sekunde retten. Die besseren Chancen in der ersten Halbzeit hatte Hertha, das erste Tor schossen aber die Borussen. In der 43. Minute flankte Florian Kringe auf Jan Koller, und der Dortmunder Stürmer war in der Mitte mit dem Kopf eher am Ball als sein Gegenspieler Alexander Madlung. Trainer Falko Götz hatte den 22-jährigen Verteidiger für den verletzten Simunic aufgeboten. Für den gesperrten Niko Kovac spielte im Mittelfeld Pal Dardai.

Während in der Halbzeitpause im Stadion das Rahmenprogramm mit dem 80er-Jahre-Popsänger Jimmy Somerville weiterging, entschloss sich Götz, das Risiko zu erhöhen. Er tauschte Verteidiger Malik Fathi gegen Stürmer Artur Wichniarek. Doch das blieb wirkungslos. Auch in der zweiten Halbzeit hatten die Berliner mehr Ballbesitz, aber viele Bälle wurden einfallslos in den Strafraum gedroschen. So ergaben sich kaum noch Torchancen für die Berliner. „Wir spielen nur durch die Mitte, so kann man kein Tor erzielen“, sagte Torwart Christian Fiedler nach dem Spiel. Und auch Götz sah im kaum vorhandenen Flügelspiel die Ursache für die Niederlage. „Wir müssen viel mehr über die Außen spielen“, sagte der Trainer. Stattdessen hatten Dortmunds Kringe mit einem Fernschuss an den Innenpfosten und Dede mit einem Lattenschuss gute Möglichkeiten, noch das 2:0 zu erzielen.

Während Dortmund den Vorsprung souverän verteidigte, machte sich bei den Zuschauern im Stadion zunehmend Unmut breit. Als Götz nach 60 Minuten Bobic gegen Nando Rafael auswechselte, verschwand Bobic stocksauer in der Kabine. Die große Flutlichtparty war nicht nur ihm gründlich verdorben worden.

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