Sport : Viel Meinung, aber kein Gemeinsinn

Beim VfB sucht nicht nur der Trainer einen Plan.

von
Foto: dapd
Foto: dapdFoto: dapd

Stuttgart - Bruno Labbadia hebt in solchen Situationen immer das Kinn und dreht den Kopf zur Seite. Diese Marotte ist deutliches Zeichen dafür, dass ihm eine Frage nicht behagt. Seit Sonntag und der desillusionierenden 0:3-Niederlage gegen Mönchengladbach ist diese Reaktion häufig beim Trainer des VfB Stuttgart zu beobachten. Labbadia fühlt sich in die Defensive gedrängt. Nach einer Winterpause mit zahlreichen Vertragsverlängerungen im Management und im Kader hatte der VfB nach außen hin so etwas wie Aufbruchstimmung kreieren können. Doch er Abwärtstrend, der seit Monaten anhält, führte nach zwei Rückrundenniederlagen bis kurz vor die Abstiegsränge. Mit einem Schlag sieht sich Labbadia mit seiner beruflichen Vergangenheit konfrontiert, deren negative Auswirkungen er überwunden zu haben glaubte.

Nachdem er den schwäbischen Klub vergangene Saison gerettet hatte, wollte Labbadia nicht mehr der sein, der nur eine Halbserie lang Erfolg hat und dann regelmäßig abstürzt. Genau da scheint der 46-Jährige wie einst in Leverkusen und Hamburg wieder angekommen – Labbadia wird wieder zu einem Problem, allerdings trifft ihn daran diesmal nicht alleine die Schuld. In Stuttgart verfolgen viele Fraktionen ihre Interessen, was zu einer planlosen Außendarstellung und zu einer orientierungslosen Mannschaft führte. Mal sollte der VfB wieder für willige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs stehen, dagegen hat sich auch Labbadia gewehrt und ging mit Routiniers auf Nummer sicher. Der noch von Abstiegsangst aus der Vorsaison gelähmte Verein wollte sich zu lange dagegen nicht wehren. Erst während der jüngsten Wochen hat Aufsichtsratschef Dieter Hundt Labbadia mit der Anweisung, junge Spieler zu bringen, unter Druck gesetzt. Dann sicherten sich die Stuttgarter die Dienste von Vedad Ibisevic, was als Ohrfeige für den Nachwuchs gewertet wurde. Kosten des Deals: fünf Millionen Euro. In den Wochen vor dem Transfer hatte Präsident Gerd E. Mäuser über maßvolles Haushalten referiert.

Dass es nun das dritte Jahr in Folge ist, in dem die Schwaben einer schlechten Vorrunde eine gute Rückrunde folgen lassen oder umgekehrt, entlastet Labbadia zumindest teilweise. „Wir müssen Ergebnisse liefern“, sagt Manager Fredi Bobic. In Stuttgart gilt das mittlerweile für viele. Das erste Mal seit langem sind für ein Spiel gegen Bayern München noch Karten zu haben. Das ist für Stuttgart eindeutig ein Alarmsignal. Oliver Trust

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben