Sport : Viel Potenzial für die Ersatzbank

Piotr Trochowskis tristes Dasein beim HSV

Karsten Doneck

Berlin - In den Medien geisterte schon das Gerücht herum, Bayern München habe Interesse an dem Spieler bekundet. Und wenn der Kapitalkräftigste der Bundesliga das macht, dann gehen in anderen Vereinen oft die Warnleuchten an. Also handelte der Hamburger SV. Am 28. Februar verlängerten die Norddeutschen den ohnehin bis 2009 geltenden Vertrag mit ihrem Mittelfeldspieler Piotr Trochowski um weitere zwei Jahre bis 2011. Und der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann jubelte: „Er hat das Potenzial, zur absoluten Integrationsfigur für den Verein zu werden.“ Diesem Vorhaben steht nun aber Huub Stevens im Weg. Der erfolgreiche Trainer stellt den Nationalspieler nicht mehr auf. Zuletzt beim 1:0-Sieg in Mönchengladbach drückte Trochowski erneut nur die Bank. Fraglich, ob sich daran etwas ändert, wenn der HSV am Sonntag Mainz 05 empfängt.

Dabei galt Stevens dreieinhalb Wochen nach seiner Anstellung als HSV-Trainer noch uneingeschränkt als Befürworter der vorzeitigen Vertragsverlängerung. „Er hat unglaublich viel Potenzial“, bescheinigte Stevens dem 23-Jährigen. Was Trochowski bei seinen bisher 59 Bundesligaspielen für den HSV nicht immer, aber doch immer öfter bewiesen hat. Vorige Saison hat er sich in die Hall of fame des HSV geschossen: mit einem prächtigen Distanzschuss erzielte er gegen Torwart Oliver Kahn das Tor zum 2:0 gegen den FC Bayern.

Doch unter Stevens geriet Trochowski zuletzt ins Abseits. Die Position, die Trochowski spiele, gebe es in seiner taktischen Grundausrichtung gar nicht, sagte der Trainer. Und als Trochowski, eher ein stiller, etwas schüchterner Bursche, drei Tage vor dem Spiel in Gladbach mal ausplauderte, er rechne in dem Spiel fest mit seinem Einsatz von Anfang an, da fing er sich sofort einen Konter von Huub Stevens ein. „Ich habe noch nie erlebt, dass jemand allein durch Reden gespielt hat“, stellte der Trainer klar.

Nun kuscht Piotr Trochowski. In der Fernsehsendung NDR-Sportclub am vergangenen Sonntag griff er schon zu der profi-üblichen Floskel: „Ich kann mich nur über Leistung anbieten.“ Und vielleicht wird er ja doch schon insgeheim bereuen, den Ruf des FC Bayern nicht erhört zu haben.

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