Sport : Viel sagen, aber nicht alles

Michael Rosentritt

über den Ehrgeiz des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger ist ein gewissenhafter Mann. Jahrelang war er der Schatzmeister des DFB. Dazu bedarf es herausragender Qualitäten. Sie ließen ihn sogar zum Geschäftsführenden DFB-Präsidenten aufsteigen. Zwanziger ist das neue, frische Gesicht neben Gerhard Mayer-Vorfelder. Der Schiedsrichter-Skandal ist die erste große Prüfung für den neuen, starken Mann des bisweilen starren Verbandes, der nicht gerade im Ruf stand, schnell, umfassend und transparent Probleme zu bewältigen. Zwanziger ist es zu danken, dass die Öffentlichkeit schnell und vergleichsweise umfangreich über die Manipulationsvorwürfe gegen den Schiedsrichter Robert Hoyzer informiert wurde. Nur leider schoss er über das Ziel hinaus.

Ohne Not erwähnte er neben anderen verdächtigen Spielen auch eins, das den Fall Hoyzer quasi erst ins Rollen gebracht hatte. Es ist das Spiel Essen gegen Köln, bei dem Hoyzer gar nicht gepfiffen hatte. Dadurch gerieten auch andere Schiedsrichter in Verdacht. So wurden aus schützenswerten Zeugen plötzlich Täter – der Linienrichter und der Schiedsrichter des besagten Spiels. Zusammen mit zwei anderen Berliner Schiedsrichtern mussten sie sich jetzt unfreiwillig als Zeugen zu erkennen geben. Das hätten sie sich gern erspart.

Traurig genug, dass die Namen jener in Teilen der Öffentlichkeit als Schuldige genannt wurden, die an der Aufklärung maßgeblich beteiligt sind. Ihr Schritt, sich vertrauensvoll an den DFB zu wenden ist ehrenhaft und mutig zugleich. Zwanziger ist in diesem Punkt zu weit gegangen.

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