Sport : Viel Talent, wenig Erfolg

Familienbande und fehlende berufliche Perspektiven: Warum Berlins Hockeyspieler nicht recht vorankommen

Anne-Katrin Löffler

Berlin. In Berlin gibt es viele Hockeytalente. Und in Berlin gibt es viele Hockeyklubs. Einer, der Berliner Hockey-Club, war in dieser Saison in der Ersten Liga vertreten, andere in der Zweiten: Zehlendorfer Wespen, SC Charlottenburg, Berliner SV 92. Aber das wechselt immer mal. Und genau da liegt das Problem. Es gibt in Berlin nicht eine Mannschaft, in der alle guten Spieler zusammen spielen – und die dann mit größerer Wahrscheinlichkeit konstant in der Ersten Liga spielen würde.

Für die Berliner Hockeytalente ergeben sich aus dieser Situation Nachteile. Tibor Weißenborn, weltbester Jugendhockeyspieler 2001, stieg mit dem Berliner Hockey-Club (BHC) in dieser Saison ab und wird im nächsten Jahr in der Zweiten Liga spielen. Der 21-jährige Nationalspieler will aber bei seinem Verein in Berlin bleiben, „weil meine Freunde beim BHC spielen“. „Solche Leute wie Tibor brauchen die Mannschaften“, sagt Bernd Rannoch, Trainer der Zehlendorfer Wespen. „Es ist gut, dass es noch Idealisten gibt, die ihrem Verein treu bleiben.“ Natürlich ist es gut für die Berliner Klubs, aber für einen ambitionierten Spieler ergeben sich in der Ersten Liga bessere Chancen, gesichtet und ins Nationalteam berufen zu werden.

Die Berliner Brüder Tobias und Oliver Hentschel wurden für die Nationalmannschaft nominiert und wechselten vom SC Charlottenburg zum Hamburger Erstligisten Club an der Alster. „Beim Club an der Alster werden den Spielern neben der sportlichen Karriere gute Berufschancen geboten“, erklärt Dieter Schuermann, Vizepräsident des Deutschen Hockey Bundes. „Der Club nutzt seine Kontakte zu den großen Unternehmen in der Stadt.“ Etwas Geld wird in anderen Städten auch gezahlt, in Berlin nicht. Aber das sei nicht der Grund, warum es Berliner Hockeytalente in andere Städte zieht.

„Eine gute Stadtmannschaft wäre toll für Berlin“, findet Bernd Rannoch. Aber dazu wird es wohl nicht kommen, denn in Berlin gibt es zu alte „Familienbande“, erklärt Schuermann. „Da haben schon die Eltern bei einem Verein gespielt, und dem sind auch die Kinder verbunden.“ Deshalb wechselten die Hentschel-Brüder wohl nicht innerhalb Berlins zum BHC, sondern nach Hamburg. Florian Keller, früher beim BHC, sah das lockerer. Er ging zu den Wespen, obwohl in seiner Familie alle dem BHC verbunden sind. Er kann damit leben, in der Zweiten Liga zu spielen, da er sich derzeit auf die Berufsausbildung konzentriert.

Muss er aber vielleicht gar nicht, denn die Zehlendorfer Wespen kämpfen am heutigen Samstag im Relegationsrückspiel gegen den SC Frankfurt 80 um den Aufstieg (15 Uhr, Lloyd-G.-Wells-Straße 55). Das Hinspiel ging 3:2 für Frankfurt aus. „Die sind nicht eine Klasse besser“, beurteilt Bernd Rannoch den Erstligaklub. „Wir haben letzten Samstag drei ärgerliche Tore kassiert, aber in der Endphase gute Chancen erarbeitet.“ Rannoch hofft auf einen 3:1-Sieg seiner Wespen. Damit spielte dann wenigstens ein Berliner Hockeyteam in der nächsten Feldsaison in der obersten Klasse. Wespenspieler Max Jesse, erst am Donnerstag in den Kader der Nationalmannschaft aufgenommen, käme das sehr gelegen. „Nationalspieler müssen sich mit den Besten auseinandersetzten“, meint Schuermann. „Nur so halten sie ein hohes Niveau.“

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