Sport : Viel Testosteron für London

Die Volleyballer setzen beim Qualifikationsturnier in Berlin auf den Heimvorteil.

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So knapp kann das werden. Bundestrainer Vital Heynen hat trotz der starken Konkurrenten beim Qualifikationsturnier in Berlin keine Angst. Foto: dpa
So knapp kann das werden. Bundestrainer Vital Heynen hat trotz der starken Konkurrenten beim Qualifikationsturnier in Berlin keine...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Vital Heynen lehnt sich entspannt in seinem Stuhl zurück und erklärt durchaus vergnügt, dass er gerade ein großes Problem hat. Ein Problem? Nicht so gut, wenn der Volleyballbundestrainer 24 Stunden vor der alles entscheidenden Olympiaqualifikation ein Problem hat. „Das Problem“, sagt der Belgier Heynen und lehnt sich noch ein bisschen entspannter zurück, lautet: „Es läuft zu gut.“ Seine Mannschaft spielt zu gut. Was denn, wenn die Spieler zu selbstsicher werden, wenn sie sich überschätzen?

Immerhin steht von Freitag bis Sonntag in der Berliner Schmeling-Halle nicht bloß die Olympiateilnahme der deutschen Volleyballer auf dem Spiel, es geht auch darum, ob nach dem Damenteam und den Hockeyteams wenigstens noch eine zweite Mannschaftssportart mit deutschen Spielern in London vertreten ist.

Es läuft also zu gut. Die deutschen Volleyballer sind in der ersten Olympiaqualifikation in Bulgarien sensationell bis ins Finale vorgedrungen, sie haben danach ihr Weltligaturnier gewonnen, das meint Heynen. Aber, bitte, jetzt keine Unruhe, das sagt Heynen auch. Der Hinweis, dass es zu gut laufe, war auch ein Späßchen. „Wir glauben an den Turniersieg, aber die Spieler wissen, wie schwer es wird.“ Das sagt er auch. Jetzt lächelt er nicht mehr.

Kuba, Tschechien, Indien und Deutschland kämpfen ums Olympia-Ticket, nur der Sieger darf nach London, bei dieser Konstellation ist Selbstüberschätzung eigentlich auszuschließen. Die Deutschen treffen am heutigen Freitag (20 Uhr) auf Indien. Es ist die leichteste Aufgabe. Das entscheidende Spiel für Heynens Team findet am Samstag um 18 Uhr statt. Die Deutschen spielen gegen Kuba, den WM-Zweiten von 2010. Am Sonntag (17 Uhr) folgt das Duell mit Tschechien. Georg Grozer, der Weltklassediagonalangreifer, sagt: „Wir haben sehr gute Chancen. Die Vorbereitung war intensiv, die Mannschaft hat zuletzt sehr stark gespielt, und sie hat Heimvorteil.“

Seit einigen Monaten erst ist Heynen Bundestrainer, aber er hat diese Mannschaft schon geprägt. Mit seinem Vorgänger Raul Lozano, der kein Wort Deutsch kann, hatte sich die Mannschaft zerstritten. Auch auf Druck der Spieler wurde er abgelöst.

Heynen spricht Deutsch mit Akzent, er beobachtet sehr genau und arbeitet viel mit den Spielern. Bei der EM 2011 leisteten sich die deutschen Spieler in ihrem letzten Spiel beim Aufschlag noch eine Fehlerquote von verheerenden 25 Prozent, unter Heynen ist die Quote beim Weltligaturnier auf zwölf Prozent eingedampft. Gestern Abend strich Heynen dann noch Außenangreifer Robert Kromm aus dem Kader. Kromm, der Neuzugang der BR Volleys, ist nach einer Verletzung noch nicht in Bestform.

Auch Björn Andrae, der Kapitän, hofft auf die Fans. „Wenn die Zuschauer hinter uns stehen, puscht uns das noch mehr.“ Für ihn ist das eine Gefühlssache. Aber sein Bundestrainer kann diesen Adrenalinschub sogar wissenschaftlich beweisen. In einem Fachmagazin hat Heynen gerade von einen hochinteressanten Test gelesen. Nach einem Spiel, referiert der Bundestrainer, habe man das Blut der Akteure untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass im Blut der Gastgeber mehr Testosteron war als bei ihren Gegnern. „Wenn man das eigene Territorium verteidigt, leistet man mehr als der Gegner“, so interpretiert Heynen dieses Ergebnis. Bei welcher Sportart wurde untersucht? „Keine Ahnung“, sagt Heynen, „ist auch nicht wichtig. Das gilt Sportarten übergreifend.“ Es gilt auch für Volleyball, mehr muss er im Moment gar nicht wissen.

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