Sport : Viele Sorgen, wenig Schrauben

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Hätte es auch Star-Einkauf Tadija Dragicevic treffen können? Den alten Kämpen Sven Schultze? Oder Publikumsliebling Julius Jenkins? Am Sonntag wollten Albas Verantwortliche nach der Blamage gegen Bonn wohl am liebsten alle Spieler feuern, am Dienstag fiel die Wahl auf Hollis Price. Der 31-Jährige soll sich nicht voll für Klub, Team und Beruf engagiert haben, insofern erscheint die Trennung verständlich. Sie verdeutlicht aber, in welchem Dilemma der Basketball-Bundesligist steckt: In einer enttäuschenden Saison gehen ihm die Schrauben aus, an denen er noch drehen kann.

Vor der Saison hatte Alba Luka Pavicevic ein fast komplett neues Team zusammengestellt. Nach einer Reihe von Misserfolgen trennte sich der Verein schweren Herzens dann doch vom Trainer, Muli Katzurin übernahm. Doch auch unter dem Israeli präsentierte sich Alba gegen Bonn so konfus und blutleer, dass viele Fans schon vor der Schlusssirene aus der ausverkauften Berliner Großarena flüchteten. Die Trennung von Spielmacher Price darf man deshalb als Signal an die Mannschaft verstehen: Alba scheut sich nicht, zentrale Spieler zu entlassen, wenn sie nicht voll mitziehen. Wer das nicht leisten kann oder will, ist der Nächste, der gehen muss.

Wie viele Spieler aber kann man entlassen, ohne die jetzt schon wacklige Mannschaft noch mehr zu erschüttern? Wie viel Zeit und Geld verliert man, wenn man ein Team während der Saison im großen Stil umbaut? Und wie groß ist der Gesichtsverlust im Management, wenn offenkundig wird, dass man ein dysfunktionales Team zusammengestellt hat? Mit der Entlassung von Hollis Price hat Alba den Druck auf sich selbst erhöht. Was jetzt auch kommt: Es muss klappen. Seite 19

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