Sport : Viele Tore, noch mehr Durst

Prost! Die deutschen Brauereien erhoffen sich mehr Verkauf durch Siege der deutschen Mannschaft. Foto: AFP
Prost! Die deutschen Brauereien erhoffen sich mehr Verkauf durch Siege der deutschen Mannschaft. Foto: AFPFoto: AFP

Die Sorgen der deutschen Bierbrauer verfliegen langsam. Es ist zwar noch lange kein Jahrhundertsommer, aber die Sonne scheint endlich – und Temperaturen um 30 Grad lassen den Bierdurst sprunghaft steigen. Nach dem viel begossenen 4:1der Deutschen gegen England dürfen die Brauereien nun sogar mit einem noch viel größeren Durst der Anhängerschaft rechnen. Schließlich hängt vom Abschneiden der Deutschen am Kap ein Großteil des Erfolgs eines ganzen Geschäftsjahres ab.

Das heiße Wetter und das starke Auftreten des deutschen Teams könnten zu keinem besseren Zeitpunkt kommen. Schließlich tranken die Deutschen allein im verregneten April über eine Million Hektoliter weniger Bier als im gleichen Monat des Vorjahres. Ein zweites Sommermärchen soll für die Wende sorgen.

Weniger abhängig vom Erfolg eines bestimmten Teams ist der global aktive Weltmarktführer Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev), der mit seiner Marke Budweiser exklusiver Bierpartner der Fifa ist. Dafür hat der WM-Sponsor ganz andere Sorgen. Weil AB Inbev keine einzige Brauerei in Afrika hat, muss das Unternehmen sein Budweiser-Bier teuer aus den USA und England nach Südafrika schaffen. Ein logistischer Albtraum, zumal sich der gesamte Kontinent fest in den Händen von South African Breweries (SAB) Miller befindet, der Nummer zwei am internationalen Biermarkt. AB Inbev musste deshalb ausgerechnet den ansässigen Rivalen zur WM um Hilfe bitten. Der versorgt jetzt die Fifa-Fanparks vor Ort. Allerdings darf auf den Bechern und Kühlschränken kein Logo oder Markenname der SAB-Produkte erscheinen.

Dem südafrikanischen Bierbrauer kann das nur Recht sein. Denn auch in Südafrika läuft der Absatz schleppend. SAB-Chef Norman Adami hatte gedacht, dass der Bierkonsum während der WM um sechs Prozent steigen würde. SAB Miller hatte fast 20 Millionen Euro in Werbung, in die Renovierung von Townshipkneipen und das Sponsoring des südafrikanischen Teams gesteckt.

Doch dann kam alles anders: Gleich zu Beginn des Turniers war es in Südafrika so kalt wie seit Jahren nicht mehr, im Landesinneren fielen die Temperaturen fast jede Nacht weit unter den Gefrierpunkt. Statt am kühlen Bier nippten die Fußballfans bislang an Glühwein oder Schnaps. Zudem dürfte die Zahl der Besucher aus Übersee deutlich unter den ursprünglichen Vorhersagen von 450 000 bleiben.

Das größte Problem für den Bierbrauer vom Kap ist jedoch das Ausscheiden der südafrikanischen Mannschaft. Es ist das erste Mal in 80 Jahren, dass der Gastgeber einer WM bereits in der Vorrunde ausscheidet. Die Folgen für den Bierabsatz sind im Moment noch nicht genau absehbar.Wolfgang Drechsler, Kapstadt

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben