Sport : Viele Tore, wenig Qualität

In den ersten Spielen der Play-off-Serie zwischen Eisbären und Freezers enttäuschen vor allem die Torhüter.

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Hilfe, ein Angriff! Rob Zepp sah gegen Hamburg bisher nicht gut aus. Am Montag wurde er nach fünf Gegentoren ausgewechselt. Foto: dpa
Hilfe, ein Angriff! Rob Zepp sah gegen Hamburg bisher nicht gut aus. Am Montag wurde er nach fünf Gegentoren ausgewechselt. Foto:...Foto: dpa

Berlin - Am späten Montagabend hätte Benoit Laporte eigentlich glücklicher dreinschauen können. Schließlich hatten seine Freezers gerade die Eisbären in ihrem dritten Viertelfinalspiel um die deutsche Eishockey-Meisterschaft in Berlin 8:4 besiegt und so eine 2:1-Führung in der „Best of seven“-Serie erreicht. Der Hamburger Trainer wirkte dennoch etwas bedrückt. Als dann die dritte Nachfrage kam, ob die zuverlässige Torflut im Duell zwischen Eisbären und Freezers ein Beleg für mindere Spielqualität sein könnte, sagte Laporte: „Das ist eigentlich nicht mein Eishockey.“

Der Trainer der Freezers ist ein Anhänger vorsichtigen Taktierens. Doch in der Serie zwischen Hamburg und Berlin ist gute Arbeit in der Defensive auf beiden Seiten Nebensache. 6:5, 3:5, 4:8 lauten die ersten drei Ergebnisse aus Sicht der Eisbären. Das macht insgesamt 31 Tore in drei Play-off-Spielen einer Serie – eine rekordverdächtige Marke in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). In der Torwartstatistik etwa liegt der Berliner Zepp nach drei Einsätzen auf dem letzten Platz aller Torhüter in den Play-offs, knapp davor am Ende des Tableaus rangiert sein Hamburger Kollege Niklas Treutle. Zepp hat einen Gegentorschnitt von 5,41 pro Spiel bei einer Fangquote von 83 Prozent. Treutles Werte sind kaum besser (4,1/87,7). Zum Vergleich: Der Mannheimer Dennis Endras, bester Torhüter in dieser Wertung, hat gerade 1,53 Gegentreffer pro Spiel kassiert und fast 95 Prozent aller Schüsse pariert.

Nun sagen Quoten nichts über die Qualität abgewehrter Schüsse aus. Und sicher war im Duell zwischen Eisbären und Freezers auch die Arbeit der Verteidiger vor dem Tor auf beiden Seiten verbesserungswürdig. Den Hamburgern ist dabei zugutezuhalten, dass sie viele ihrer Gegentreffer in Unterzahl kassierten. Da zumindest versprühten die Eisbären auch am Montag Gefahr. Ansonsten aber wirkten sie über weite Strecken des Spiels geistig kaum anwesend. Das lag vielleicht auch daran, dass in der vollen Arena am Ostbahnhof Geisterstimmung herrschte. Es war eine neue Protestaktion gegen die erhöhten Dauerkartenpreise für die kommende Saison. Diesmal schwiegen sie im harten Kern der Fans demonstrativ, nachdem sie in Spiel eins der Serie noch im ersten Drittel die Halle verlassen hatten. Das wirkte. „Natürlich haben wir versucht, das mit der Stimmung wegzudrücken“, sagte Kapitän André Rankel. „Offensichtlich ist es uns nicht gelungen.“

Verteidiger Constantin Braun stellte fest, dass seine Mannschaft „zum ersten Drittel emotionslos aus der Kabine gekommen ist“. Erstaunlich, denn an sich ist Emotionalität eine Qualität, die den Eisbären in der Vergangenheit schon oft geholfen hat, scheinbar erdrückende Rückstände aufzuholen – wie etwa auch im ersten Spiel gegen die Freezers, als die Berliner nach einem 0:4 im ersten Drittel noch 6:5 nach Verlängerung gewannen. Auch am Montag gab es nach einem katastrophalen 1:7-Rückstand eine kleine Aufholjagd. Sie endete nach dem vierten Berliner Tor. Hamburg ließ sich diesmal nicht überrumpeln. Thomas Dolak erzielte das 8:4 für die Freezers.

Nach Spiel drei war für die Eisbären vor Spiel vier. Kurz vor Mitternacht fuhr der Mannschaftsbus am Montag in Richtung Hamburg, wo es am Dienstagabend (19.30 Uhr) in der Serie weiterging. Das Spiel war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet.

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