Sport : „Viele wollen nur überleben“

Radprofi Bruno Risi über Emotionen, Sport und Show auf der Sechstagebahn

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Wer ein guter Bahnradfahrer ist, muss auch ein guter Schauspieler sein. Haben Sie schon ein Angebot aus Hollywood?

Nein, darauf warte ich noch. Dort zieht man aber derzeit – glaube ich zumindest – die Österreicher uns Schweizern vor.

Meinen Sie, Ihr Talent würde dafür reichen, eine schweizerische Ausgabe von Arnold Schwarzenegger zu werden?

Keine Ahnung. Aber als Sechstageprofi muss man jedenfalls ein guter Schauspieler sein.

Warum?

Es reicht nicht aus, emotionslos Runde um Runde zu drehen. Das wäre die pure Langweile auf der Bahn. Ich behaupte damit aber nicht, dass irgendetwas abgesprochen ist.

Also ist Power über sechs Tage gefragt?

Ja, das Publikum möchte Emotionen sehen, spüren, dass Feuer und Leidenschaft im Spiel ist. Meine Fahrweise ist aggressiv und emotional, das ist meine Berufsauffassung.

Aber ein Sechstagerennen ist doch vor allem Sport, oder sehen Sie das nicht so?

Ja, aber Emotionen zu zeigen und eine Show zu bieten macht ja nur dann Sinn, wenn man sportliche Höchstleistung bringt. Da sind vor allem die Spitzenfahrer gefordert. Die anderen Fahrer sind schlichtweg überfordert. Viele fahren nur mit und hoffen, dass sie den Abend überleben. Egal wie.

Da müssen Sie sich ja keine Sorgen machen. Sie sind der beste Sechstageprofi der Welt.

Ich würde so etwas nie von mir selber sagen. Ich nicke höchstens zufrieden mit dem Kopf, wenn ich ein solches Kompliment höre.

Was dürfen die Berliner von Ihnen erwarten?

Für mich ist es wichtig, dass die Leute zufrieden nach Hause gehen. Dann habe ich einen guten Job gemacht. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen – außer den Fans.

Warum sind Sie kein Straßenprofi geworden?

War ich ja anfangs zwei Jahre lang, aber nie mit vollem Herzblut. Im Hinterkopf hatte ich immer die Bahn. Den engen Kontakt zum Publikum habe ich in dieser Zeit sehr vermisst.

Lässt sich als Bahnradfahrer leichter Geld verdienen?

Dadurch, dass es nur noch sieben statt wie früher 13 Sechstagerennen gibt, haben einige Fahrer große Existenzprobleme. Es landet im Vergleich zu früher auch nur noch die Hälfte des Geldes in meiner Brieftasche.

Was sollte gegen diesen Trend getan werden?

Die Veranstalter sind gefordert. Der Versuch in Stuttgart, mit Dreierteams zu fahren, war etwas Neues. In Berlin ist die Bahn aber deutlich kürzer, da hätte das keinen Sinn.

Wie lange wollen Sie sich noch diesen Sechstage-Stress im Winter antun?

Auf jeden Fall noch vier Jahre, vielleicht kommt dann Hollywood. Aber nur, wenn dort die Schweizer wieder in Mode sind.

Das Gespräch führte Tobias Schall.

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