Sport : Viele Worte, zu wenig Waffen

Auf der Sportsicherheitskonferenz in Doha wird dem Wettbetrug der Kampf angesagt.

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Doha - Bunt, glitzernd und kontrastreich ist die Skyline der Wüstenmetropole Doha. Ebenfalls sehr kontrastreich, aber nicht mit dem gleichen Oberflächenglitzern versehen erwies sich das Aktionsfeld der Kämpfer gegen Wettbetrug, die sich in Doha zum Branchentreffen versammelt hatten. Drakonische Strafandrohungen und kluge Vorschläge wechselten sich bei der Securing Sport Conference 2013, der jährlichen Sportsicherheitskonferenz, mit bürokratischen Schleppreaktionen ab. Immerhin war nun auch Gigant Fußball zentrales Thema, nach den zahlreichen verschobenen Spielen im Weltfußball war das wohl an der Zeit.

Für Willi Lemke sind illegale Wetten eine Katastrophe, sagt er. „Wenn die Leute nicht mehr an einen ehrlichen Wettkampf glauben, sondern sagen: ’Das ist sowieso alles von irgendeiner Wettmafia abgesprochen’, dann geht der Fußball kaputt“, prophezeite Lemke in Doha. Der ehemalige Manager von Werder Bremen und aktuelle Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport forderte lebenslange Sperren für betrügende Spieler: „Dem Spieler in einer Jugendmannschaft würde ich noch sagen: ’Beim ersten Mal wirst du für den Rest der Saison gesperrt. Und wenn du es noch einmal machst, dann wirst du lebenslang gesperrt.’ Wenn ein Bundesligaspieler dabei erwischt wird, dann müsste der lebenslang gesperrt werden.“ Die Folgen, die ein Vertrauensverlust in den Fußball mit sich bringt, sind auch anderen Funktionären mittlerweile klar. Emanuel Macedo de Medeiros, Chef der Vereinigung der professionellen europäischen Fußballligen EPFL, verkündete in Doha: „Wir erklären den Match-Fixern den Krieg.“ Einen detaillierten Schlachtplan mochte er aber nicht vorstellen.

Weiter ist da schon der Sportdachverband „Sport Accord“. Der steht an sich in keinem guten Licht – wegen der früheren Lance-Armstrong-Kumpelei seines aktuellen Präsidenten Hein Verbruggen. Der warnte als Boss des Radsportweltverbandes UCI Armstrong schon mal, wenn dessen Dopingkontrollvermeidungsprogramm suboptimal lief.

Verbruggens Mitarbeiterin Ingrid Beutler hielt ihren Chef in Sachen Abwehr von Spielmanipulationen aber für einen Pionier. Unter Verbruggens Führung arbeitet Sport Accord eine zunächst europaweit einheitliche Regelung aus. „Ideal wäre ein Strafrechtsparagraf, der Wettbetrug unter Strafe stellt und mindestens drei Jahre Gefängnis für Sportler, Funktionäre und alle anderen am Betrug beteiligten Personen nach sich zieht“, sagte Beutler dem Tagesspiegel. Das hohe Strafmaß soll auch ermittlungstaktisch helfen. „Wir können Wettbetrüger meist nur durch Telefonüberwachungen überführen“, sagte Beutler. Weiter gehende Maßnahmen sind Fahndern meist nur bei schweren Delikten mit höheren Gefängnisstrafen erlaubt. Auf EU-Ebene werden die Bemühungen von Sport Accord allerdings konterkariert. Der Brüsseler Abgesandte Stanislas Frossard versprach zwar eine EU-Deklaration gegen Sportbetrug für 2014. Er sah aber keinen Grund für Extragesetze.

Deutlich wurde in Doha auch das bisherige Schneckentempo der Sportfunktionäre gegenüber der Bedrohung durch Ergebnismanipulation. Im Verlauf der Konferenz wurde ein Schreiben des katarischen Fußballverbands bekannt, in dem schon im September 2010 vor den Aktivitäten des jetzt mit der Polizei kollaborierenden Match-Fixers Wilson Raj Perumal gewarnt wurde. Pikanterweise trat hier der wegen Bestechlichkeit aus dem Weltverband Fifa entlassene Mohamed bin Hammam als redlicher Alarmgeber auf. Doch es dauerte Monate, bis dieses Schreiben überhaupt beim damaligen Fifa-Cheffahnder Chris Eaton landete. Eaton machte die „übliche Bürokratie“ als Grund für die Verzögerung aus. Er ist mittlerweile zu einer privaten Sicherheitsfirma gewechselt, die auch die Konferenz ausrichtete. Eaton forderte einen rascheren und besseren Informationsaustausch zwischen den einzelnen Verbänden über Schlüsselfiguren des Wettbetrugs und deren Handlungsmuster.

Friedrich Stickler schließlich, Präsident der Vereinigung europäischer Staatslotterien, kritisierte eine mangelnde Dialogbereitschaft der Verbände hinsichtlich einer Begrenzung des Wettgeschäfts. Die staatlichen Lotterien sind seiner Auskunft nach dazu bereit, die gesamten Jugendspiele und Teile des Amateurbereichs frei von Wetten zu halten. „Hier können ganz kleine Bestechungssummen schon eine große Verlockung darstellen“, sagte Stickler.Tom Mustroph

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